In Kürze

Artenreiche Blumenwiesen können über 60 verschiedene Pflanzenarten enthalten. Die Pflanzen- und Strukturvielfalt bietet zahlreichen Tiergruppen Lebensräume und Nahrungsangebote.

Kurzdefinition

Blumenwiesen bestehen aus vielfältigen, ausdauernden Gräser- und Staudenarten. Es kann sich eine standortgerechte und artenreiche Pflanzengesellschaft mit attraktiven Blühaspekten entwickeln.

    Biodiversitätsförderung

    Wird das Profil wie auf dieser Seite beschrieben geplant, realisiert und gepflegt, weist es folgende Potenziale auf:

    hoch = • • • • •   tief = •   negativ = (•)

    Ökologische Vernetzung

    • • • • •

    Lebensraum für Wildtiere

    • • • • •

    Lebensraum für Wildpflanzen

    • • • • •

    Ökologischer Ausgleich

    • • • • •

    Anforderungen

    Grundsätze

    Mit der Erfüllung dieser Grundsätze wird die Biodiversität gefördert.

    Saat- und Pflanzgut

    100% einheimisch und standortgerecht


    Möglichst autochthon


    Hohe Artenvielfalt


    0% invasive gebietsfremde Arten

    Pflege

    Möglichst gesamte Fläche gemäss Prinzipien naturnahe Pflege


    1 bis 3 Mal pro Jahr abschnittsweise mähen


    > 8 bis 10 cm Schnitthöhe


    > 10% Altgrasstreifen alternierend, über den Winter, stehen lassen

    Nutzung

    Extensive, temporäre Nutzung

    Standort

    Sonnig


    Nährstoffarm

    Erhöhte Anforderungen

    Mit der Erfüllung der erhöhten Anforderungen wird die Biodiversität noch stärker gefördert.

      Saat- und Pflanzgut

      Nur Wild- und keine Zuchtformen


      Autochthones Saatgut verwenden


      Potenzial regionaler Spenderflächen nutzen

      Mindestgrösse

      > 10 m2

      Aufbau

      Kleinstrukturen

      Pflege

      100% der Fläche gemäss Prinzipien naturnahe Pflege


      Unterschiedliche Schnittzeitpunkte

      Kurzvideo

      Faktenblatt

      Das Wichtigste ist in diesem Faktenblatt zusammengesellt.

      Definition

      Blumenwiesen bestehen aus vielfältigen, ausdauernden Gräser- und Staudenarten. In der Landwirtschaft werden sie zur Futterproduktion genutzt. Im Siedlungsgebiet dienen sie als naturnahes Gestaltungselement und als Lebensraum für einheimischen Tier- und Pflanzenarten.

      Bei geeignetem Untergrund und einer extensiven Nutzung und Pflege kann sich über Jahre eine standortgerechte und artenreiche Pflanzengesellschaft mit attraktiven Blühaspekten entwickeln.

      Blumenwiesen sind wertvolle Lebensräume und Nahrungsquelle für viele Insekten- und weitere Tierarten.

      Bildquelle: Adobe Stock


      Rosettenbildende Arten wie der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) sind ausdauernd und schnittverträglich.

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      Der Distelfalter (Vanessa cardui) ist ein häufiger Besucher diverser Distel-Arten, die auf artenreichen Blumenwiesen vorkommen.

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      Im Siedlungsgebiet kommen Blumenwiesen auf extensiv genutzten Flächen in Parkanlagen, auf Friedhöfen und zunehmend auch im Wohnumfeld, in Gärten und auf Firmenarealen vor.

      Im Gegensatz zum Blumenrasen haben Blumenwiesen einen deutlich höheren Wuchs bei einem geringeren Anteil an Gräsern und einem höheren Anteil an blühenden Pflanzen.

      Potenzial

      Wird das Profil wie auf dieser Seite beschrieben geplant, realisiert und gepflegt, weist es folgende Potenziale auf:

      hoch = • • • • •   tief = •   negativ = (•)

      Biodiversitätsförderung

      Ökologische Vernetzung

      • • • • •

      Lebensraum für Wildtiere

      • • • • •

      Lebensraum für Wildpflanzen

      • • • • •

      Ökologischer Ausgleich

      • • • • •

      Siedlungsklima

      Hitzeminderung

      • • •

      Verbesserung Luftqualität

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      Versickerung und Wasserretention

      • • • •

      Bodenschutz und Versiegelung

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      Nutzungsmöglichkeiten

      aktive Nutzung

      • •

      passive Nutzung und Aufenthaltsqualität

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      Nutzung, Gestaltung und ökologisches Potenzial

      In unseren Kulturlandschaften sind artenreiche Blumenwiesen selten geworden. Es dominieren Intensivwiesen aus nur wenigen Pflanzenarten, die stark gedüngt und häufig gemäht werden. Siedlungsräume ähneln durch ihre kleinräumigen Strukturen den historischen Wiesen- und Weideflächen. Sie können deshalb Ersatzflächen für die verschwindenden natürlichen Wiesen der Kulturlandschaft bieten [1].

      Blumenwiesen sind eingeschränkt belastbar und können nur extensiv genutzt werden. Damit ihre Entwicklung nicht gestört wird, sollen sie während des Aufwuchses nicht betreten werden. Danach ist sporadisches Betreten möglich, insbesondere wenn durch das Begehen das Naturverständnis gefördert wird. Als Tummel- und Liegewiesen eignen sich Blumenwiesen jedoch nicht.

      Die Förderung der Artenvielfalt steht bei Blumenwiesen gegenüber einer aktiven Nutzung im Vordergrund. Um sie dennoch erlebbar zu machen und die (temporäre) Erschliessung innerhalb eines Grünraumes zu erhöhen, können Rasenwege in die Wiese gemäht werden.

      Aus Sicht der Gestaltung bieten Blumenwiesen einen naturnahen, vielfältigen und blütenreichen Anblick. Blumenwiesen eignen sich hervorragend zum Beobachten von Tieren und Pflanzen.

      Blumenwiesen sind nicht nur Lebensraum von vielen verschiedenen Pflanzenarten, sondern bieten dank ihres Strukturreichtums auch Nahrungsquellen, Eiablageplätze und Überwinterungsmöglichkeiten für eine Vielzahl an Tiergruppen [2]. Blumenwiesen zählen zu den vielfältigsten Lebensräumen im Siedlungsgebiet.

      Die Zusammensetzung und Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten in Blumenwiesen hängt von den Standort- und Bodenverhältnissen, aber auch stark vom Pflegeregime (Düngung, Schnitthäufigkeit, -höhe und -terminen) ab. Werden Blumenwiesen nicht mehr gemäht, verbuschen sie allmählich und verlieren so für viele Tierarten an Attraktivität.

      Im Schweizer Mittelland selten geworden sind insbesondere artenreiche Fromentalwiesen. Noch seltener sind Magerwiesen wie der mitteleuropäische Halbtrockenrasen, welche nur an nährstoffarmen und sonnigen Standorten vorkommen und oft seltene und geschützte Arten (z.B. Orchideen, Enziane) enthalten [3].

      Typische Pflanzen

      Artenreiche Blumenwiesen können 60 und mehr verschiedene Pflanzenarten enthalten [3].

      Es werden verschiedene Blumenwiesentypen mit unterschiedlichen charakteristischen Vegetationen unterschieden. Im Siedlungsgebiet sind vor allem die Pflanzenarten der Feuchtwiesen, nährstoffreichen Fettweisen, Fromentalwiese und Halbtrockenrasen relevant [4].

      Beispiele Pflanzenarten

      Mit diesem Profil können zum Beispiel folgende Pflanzenarten gefördert werden:

      Feuchtwiesen

      Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Echter Wallwurz (Symphytum officinale), Trollblume (Trollius europaeus), Echtes Mädesüss (Filipendula ulmaria), Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)

      Nährstoffreiche Fettwiesen

      Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Weisses Wiesenlabkraut (Galium album)

      Fromentalwiese


      (verletzlicher Lebensraum)

      Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Moschus-Malve (Malva moschata), Französisches Raygras (Arrhenatherum elatius), Duftendes Ruchgras (Anthoxanthum odoratum)

      Halbtrockenrasen


      (verletzlicher Lebensraum)

      Genfer Günsel (Ajuga genevensis), Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Kriechender Hauhechel (Ononis repens), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria)

      Unter infoflora.ch sind sämtliche Arten dieses Profils bzw. Lebensraumes zu finden.

      Echtes Mädesüss (Filipendula ulmaria)

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      Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)

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      Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria)

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      Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare)

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      Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)

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      Wiesen-Pippau (Crepis biennis)

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      Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)

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      Problempflanzen

      In diesem Profil sind insbesondere folgende Problempflanzen zu erwarten:

      Invasive gebietsfremde Arten

      Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens), Götterbaum (Ailanthus altissima), Sommerflieder (Buddleja davidii), Einjähriges Berufskraut (Erigeron annuus)

      Typische Tiere

      Die Pflanzen- und Strukturvielfalt von Blumenwiesen bietet zahlreichen Tiergruppen Lebensräume und Nahrungsangebote.

      Beispiele Tierarten

      Typische Tiere, die mit diesem Profil gefördert werden können:

      Vögel

      Distelfink (Carduelis carduelis), Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), Haussperling (Passer domesticus), Girlitz (Serinus serinus), Amsel (Turdus merula)

      Säugetiere

      Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), Hausspitzmaus (Crocidura russula), Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), Rötelmaus (Myodes glareolus)

      Reptilien

      Mauereidechse (Podarcis muralis), Blindschleiche (Anguis fragilis)

      Schmetterlinge

      Tagpfauenauge (Aglais io), Kleiner Fuchs (Aglais urticae), Schachbrettfalter (Melanargia galathea), Schwalbenschwanz (Papilio machaon), Grünaderweissling (Pieris napi), Hauhechelbläuling (Polyommatus icarus), Admiral (Vanessa atalanta), Distelfalter (Vanessa cardui)

      Heuschrecken

      Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), Gemeiner Grashüpfer (Chorthippus parallelus), Feldgrille (Gryllus campestris), Roesels Beissschrecke (Metrioptera roeselli), Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima)

      Wildbienen

      Wildbienen, Gartenhummel (Bombus hortorum), Ackerhummel (Bombus pascuorum), Wiesenhummel (Bombus pratorum), Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), Gemeine Furchenbiene (Lasioglossum calceatum), Rote Mauerbiene (Osmia bicornis)

      Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)

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      Girlitz (Serinus serinus)

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      Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima)

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      Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

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      Rötelmaus (Myodes glareolus)

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      Standort

      Viele verschiedene Standorte im Schweizer Mittelland eignen sich für eine Blumenwiese. Möglich sind sonnige, magere und trockene Standorte bis hin zu mässig nährstoffreichen, lehmigen und etwas schattigeren und feuchteren Flächen [6].

      Grundsätzlich gilt: Je nährstoffärmer, trockener und besonnter die Fläche ist, desto vielfältiger ist das Erscheinungsbild.

      Zielbild

      Artenreiche Blumenwiesen bestehen aus nieder- bis hochwachsenden Pflanzenarten. Ein Aufbau in verschiedenen Etagen ist charakteristisch: Die bodennahen, dicht bewachsene Streuschicht sorgt für feuchtere, schattige und geschützte Lebensräume. Aus ihr ragen höher wachsende und blühende Pflanzen hervor.

      Je nach Standortverhältnissen beträgt die Wuchshöhe vor dem ersten Schnitt zwischen 80 und 100 cm, wobei einige Pflanzen (z.B. Wiesen-Pippau Crepis biennis) auch wesentlich höher wachsen können.


      Der Bewuchs kann insbesondere an stark besonnten, steinigen, trockenen und nährstoffarmen Standorten Lücken und offene Bodenstellen aufweisen, was wertvolle Strukturen für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten (z.B. Wildbienen) schafft.

      Auf der Fläche können (Rand-) Bereiche mit weniger häufig gemähten Blüten- und Samenständen und verschiedene Kleinstrukturen integriert werden.

      Beispiele

      Sammlung von Beispielen, die im Siedlungsgebiet von Schweizer Gemeinden und Städten angelegt wurden.

      Artenreiche Blumenwiese mit Obstbaeumen am Buendtenweg in Aarau

      Buendtenweg, 5000 Aarau

      Bildquelle: Lisa Kaufmann


      Blumenwiese beim Kindergarten Binzenhof in Aarau

      Hans-Hässig-Strasse, 5000 Aarau

      Bildquelle: Lisa Kaufmann


      Blumenwiese in einer Wohnsiedlung in Zürich

      Bildquelle: Daniela Kienzler


      Blumenwiese auf dem Friedhof der reformierten Kirche in Zürich-Höngg

      Am Wettingertobel 38, 8049 Zürich

      Bildquelle: Daniela Kienzler


      Blumenwiese beim Schulhaus Röhrliberg in Cham

      Röhrliberg, 6330 Cham

      Bildquelle: Einwohnergemeinde Cham


      Blumenwiese im Vilettenpark in Cham

      Villette, 6330 Cham

      Bildquelle: Einwohnergemeinde Cham


      Blumenwiese beim Parkhaus Rigistrasse in Cham

      Rigistrasse, 6330 Cham

      ldquelle: Einwohnergemeinde Cham


      Planung

      Bestehende ökologisch wertvolle Blumenwiesen erhalten oder bestehende artenarme Blumenwiesen aufwerten

      Potenziale prüfen und nutzen für Umwandlung von Rasen in Blumenwiesen

      Nutzungs- und Gestaltungsansprüche mit ökologischen Ansprüchen abstimmen

      Ideale Standortverhältnisse schaffen: nährstoffarm, trocken und besonnt, wasserdurchlässiger Untergrund

      Pflege von Beginn an mitberücksichtigen und naturnahe Pflegeprofile in unmittelbarer Umgebung vorsehen

      Fläche mit standortgerechtem und einheimischem Saat- und Pflanzgut regionaler Ökotypen begrünen

      Potenziale von Ansaat und Direktbegrünung optimal nutzen

      Blumenwiesen mit Kleinstrukturen aufwerten

      Massnahmen im Detail

      Blumenwiesen erhalten

      Alte und artenreiche Blumenwiesen sind wertvolle Grünraumelemente und Lebensräume für Tiere und Pflanzen. In vielen Fällen ist eine alte Blumenwiese artenreicher als eine jüngere [3].

      Wenn immer möglich, sollen deshalb bestehende Blumenwiesen erhalten werden. Sie sind in Planungen von Umgestaltungen und Neubauten von Beginn an umfassend zu berücksichtigen.

      Nutzung, Funktion und Dimensionierung klären

      Um zu beurteilen, inwiefern und in welcher Dimension und Grösse ein Blumenwiese angelegt werden soll, sind die vorgesehene Nutzungen und Funktionen zu klären und mit den Potenzialen von Blumenwiesen abzugleichen.

      Ökologie

      Ökologischer Ausgleich und Vernetzung


      Lebensraum für Tiere und Pflanzen


      Hitzeminderung


      Versickerung und Wasserretention


      Bodenschutz und Versiegelung

      Gestaltung

      Wildes Erscheiungsbild und hohe Dynamik


      Strukturierteres Erscheinungsbild durch gemähte Randstreifen


      Funktionalgrün auf Restflächen, Abstandsflächen


      Randbereiche und weniger genutzte Bereiche von Blumen- und Gebrauchsrasen

      Nutzung

      Extensive Nutzungsmöglichkeiten


      Naturnahe Spiel- und Sportmöglichkeiten sehr eingeschränkt möglich (temporär, extensiv)


      Passive Naturerlebnisse

      Standort wählen

      Um zu prüfen, ob sich der Standort für eine Blumenwiese eignet, gilt es, die Standortverhältnisse vor Ort zu bestimmen und mit den Standortansprüchen sowie vorgesehenen Nutzungs- und Gestaltungsansprüche abzugleichen.

      Der Untergrund von Blumenwiesen muss gut wasserdurchlässig sein, damit Regenwasser versickern kann. In vielen Fällen ist eine genauere Untersuchung der Standortverhältnisse mittels einer einfachen Bodenanalyse zu empfehlen. Es kann sich aber auch lohnen, für diesen entscheidenden Schritt eine erfahrene Fachperson beizuziehen.

      Finden im Rahmen von Bauprojekten ohnehin Bodenverschiebungen statt, besteht die Möglichkeit, die Standort- und Bodenverhältnisse für eine Blumenwiese zu optimieren, indem Substrat mit den gewünschten Eigenschaften eingebracht wird. Weitere Massnahmen, um nährstoffärmere Bedingungen zu schaffen, werden hier beschrieben.

      Für Flächen, die vollumfänglich im Schatten liegen, eigenen sich Blumenwiesen nicht [7], da an schattigen Lagen und an Orten mit nährstoffreichen Böden Blumenwiesen häufig von Gräsern dominiert werden [1].

      Die artenreichsten und attraktivsten Blumenwiesen entstehen an gut besonnten, trockenen und nährstoffarmen Standorten. Dort verlieren stark wüchsige Pflanzenarten, die nährstoffreiche Böden bevorzugen, ihre Konkurrenzvorteile und schaffen Platz für weniger häufige Spezialisten. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich auf diesen Lücken auch invasive gebietsfremde Pflanzen etablieren können, da diese oft ein grösseres Ausbreitungspotenzial besitzen.

      Der ökologische Wert einer Blumenwiese wird gefördert, indem sich diese in unmittelbarer Nähe von naturnahen Profilen befindet wie zum Beispiel Ruderalvegetationen, Wildhecken, Strauchbepflanzungen, Kleinstrukturen, Bäume oder Trockenmauern. Damit werden insbesondere auch Insekten gefördert, die für ihren Lebenszyklus unterschiedliche Lebensräume brauchen.

      Bei Neuanlagen und Umgestaltungen ist die Lage von Blumenwiesen entsprechend auf andere Profile abzustimmen.

      Rasen in Blumenwiesen umwandeln

      Je nach Nutzungs- und Gestaltungsabsichten sollen bestehende Blumen- und Gebrauchsrasen durch pflegerische Eingriffe langfristig erhalten werden. Wird – mit oder ohne Absicht – auf adäquate Pflegeeingriffe verzichtet, können sich Rasenflächen potenziell in Richtung einer Blumenwiese entwickeln. Dieser Prozess soll gezielt geplant und gesteuert und auf die ökologischen Ziele sowie Nutzungs- und Gestaltungsabsichten abgestimmt werden.

      Blumenwiesen weisen ein höheres Nahrungsangebot für Insekten auf als ein Gebrauchsrasen, ihr Wert für die Biodiversität ist daher deutlich grösser. Da sich Blumenwiesen jedoch nur extensiv nutzen lassen, sind vor der Umwandlung eines Gebrauchs- oder Blumenrasens in eine Blumenwiese die Nutzungsansprüche an die Fläche genau zu prüfen.

      Erfolgt die Umwandlung nur aufgrund von Anpassungen der Häufigkeit des Mähens und des Verzichts auf die Düngung, entwickelt sich aus einer Rasenfläche meist nur eine relativ artenarme Blumenwiese. Haben sich hingegen bereits viele krautige Pflanzen (z.B. Margeriten, Salbei) und kaum Hochleistungsrasengräser etabliert, ist eine Umwandlung durch Änderung des Pflegeregimes gegenüber einer Neuanlage als Option zu prüfen, da diese Flächen aufgrund von Alter und Dynamik sogar dann ökologisch wertvoller sein können, wenn sie in den ersten Jahren etwas weniger üppig blühen [3].

      Artenarme Blumenwiese aufwerten

      Bestehende artenarme Blumenwiesen können – bei passenden Standortbedingungen – mit etwas Aufwand und Geduld in artenreichere Blumenwiesen umgewandelt werden. Hierzu bieten sich verschiedene Massnahmen an. Eine Extensivierung der Pflege wird dabei immer vorausgesetzt.

      Extensivierung der Pflege

      Durch eine Extensivierung der Pflege kann die Artenvielfalt von bestehenden Blumenwiesen erhöht werden. Folgende Massnahmen sind dabei zentral: Schnitthäufigkeit reduzieren, Pflanzen absamen lassen, Schnittgut abtransportieren, auf Düngergaben und Pestizide verzichten.
      Zeithorizont: Sichtbare Ergebnisse zeigen sich erst nach Jahren. [8] Eine Umwandlung lässt sich durch die Kombination mit weiteren Massnahmen beschleunigen.

      Streifensaat

      Diese Methode erlaubt es, die gewünschten Arten wieder in den Bestand zu bringen, ohne dass die ganze bestehende Wiese eliminiert wird. Dazu werden auf Teilflächen Streifen in die bestehende Wiese gefräst und diese im Frühling mit geeignetem Saatgut oder einer Direktbegrünung angesät.
      Zeithorizont: Erste Ergebnisse sind ab dem zweiten Jahr sichtbar.

      Übersaat

      Eine Aufwertung mit einer einfachen flächigen Übersaat in den Bestand funktioniert mit Wiesenblumensaatgut kaum. Dagegen gibt es zwei etwas aufwändigere Übersaatmethoden, die ohne Umbruch auf eher nährstoffarmen Standorten funktionieren können:

      • Wiesenblumenarten ansiedeln: Über mehrere Jahre hinweg von Experten gesammeltes Saatgut ausgewählter Arten der Umgebung gezielt oberflächlich auf Lücken in der Vegetation ausbringen.
      • Direktbegrünung: Die Direktbegrünung wird im Fachthema Pflanzenverwendung thematisiert.

      Mit beiden Methoden wird die bestehende Pflanzen-/Bodenstruktur nicht zerstört und die vorhandenen Ökotypen der bestehenden Wiesen bleiben erhalten.
      Zeithorizont: Erste Ergebnisse sind ab dem zweiten Jahr sichtbar.

      Initialbepflanzung

      Die Initialbepflanzung wird im Fachthema Pflanzenverwendung thematisiert.
      Zeithorizont: Erste Ergebnisse sind ab dem ersten Jahr sichtbar.

      Aussaat Klappertopf

      In die Fläche werden Klappertopfsamen (Rhinanthus alectorolophus) eingebracht, um damit den Gräseranteil zu reduzieren [7]. Klappertopf konkurrenziert starkwüchsige Gräser, indem er ihnen als Halbparasit Wasser und Nährstoffe entzieht. Da der Einsatz von Klappertopf Vorkenntnisse benötigt, ist die Zusammenarbeit mit Fachpersonen zu empfehlen.
      Zeithorizont: Erste Ergebnisse (Blüte Klappertopf) ab dem zweiten Jahr sichtbar.

      Sodenversetzung

      Die Sodenversetzung wird im Fachthema Pflanzenverwendung thematisiert.
      Zeithorizont: Erste Ergebnisse sind ab dem ersten Jahr sichtbar.

        Wiesenwege einplanen

        Eine Blumenwiese ist so wenig wie möglich zu betreten. Um sie dennoch erlebbar zu machen und die (temporäre) Erschliessung innerhalb eines Grünraumes zu erhöhen, können Rasenwege in die Wiese gemäht werden.

        Diese Rasenwege sind als Blumenrasen zu pflegen und sollen jährlich in Gestaltung und Dimension variieren.

        Blumenrasen einplanen

        Im Übergangsbereichen von Blumenwiesen zu Wegen und Plätzen können Blumenrasen eingeplant werden. Diese übernehmen die Funktion von gemähten Randstreifen.

        Randstreifen lassen sich durch die erhöhte Schnitthäufigkeit in den Randbereichen etablieren und müssen nicht separat angelegt werden.

        Material auswählen

        Falls der vorgesehene Standort über keinen geeigneten Oberboden für eine Blumenwiese verfügt, ist zu prüfen, ob solcher an anderer Stelle im Bauprojekt anfällt (z.B. bei der Erstellung einer Ruderalvegetation) und verwendet werden kann; Voraussetzung ist, dass der Oberboden richtig zwischengelagert wird.

        Alternativ kann ein adäquates Substrat lokal beschafft werden oder die Standortverhältnisse lassen sich wie folgt verbessern [8]:

        • Abtrag Oberboden (meist A-Horizont, gegebenenfalls auch B-Horizont)
        • Aufschüttung (mind. 30 cm) von nährstoffarmen Substraten (Sand, Kies) auf bestehende Böden bzw. durch Einarbeitung in den bestehenden Boden.

        Die Erfolgschancen des Oberbodenabtrags gegenüber der Aufschüttung/Einarbeitung ist höher, verursacht jedoch einen höheren Aufwand und entsprechende Mehrkosten. Überdies ist es aus ökologischer Sicht wenig sinnvoll, unbelasteten Oberboden abzuführen [8].

        Wird der Oberboden abgetragen, sollte dieser möglichst nahe am ursprünglichen Standort wiederverwendet werden

        Begrünung planen

        Bei der Anlage einer Blumenwiese stehen zwei Begrünungsmethoden im Fokus: Ansaat und Direktbegrünung.

        Weitere Begrünungsvarianten sind Kombinationen einer Ansaat/Direktbegrünung mit einer Initialbepflanzung oder Sodenversetzung.

        • Ansaat: Die Flächen werden mit autochthonen Saatgutmischungen angesät, welches von Ökotypen der jeweiligen Region stammen.
        • Direktbegrünung: Die Begrünung erfolgt mit Saatgut, welches auf einer regionalen Spenderfläche geerntet wurde und deshalb ausschliesslich aus regionalen Ökotypen besteht. Genauere Angaben zur Ausführung und Planung einer Direktbegrünung finden sich im Fachthema Pflanzenverwendung.

        Kleinstrukturen planen

        Die ökologische und gestalterische Qualität einer Blumenwiese lässt sich durch Kleinstrukturen erhöhen. Damit werden für zahlreiche Tierarten zusätzliche Versteckmöglichkeiten, Nahrungsangebote und Eiablagestellen geschaffen.

        Innerhalb oder an den Randbereichen einer Blumenwiese ist die Anlage von folgenden Elementen zu prüfen: Krautsaum, Krautsaum, Krautsaum, Laubhaufen, Sandbeet, Steinhaufen und Steinlinsen, Totholz.

        Die Dimensionierung, Materialisierung und Anordnung der Strukturen ist auf ökologische Kriterien sowie auf Gestaltungs- und Nutzungsansprüche abzustimmen. Insbesondere muss die künftige Pflege der Fläche berücksichtigt werden, indem beispielsweise durch eine Bündelung der Kleinstrukturen eine effiziente Mahd der Fläche weiterhin gewährleistet ist.

        Ausführung planen

        Vor der Realisierung ist zu planen, wie die Arbeiten ausgeführt und die Materialmengen transportiert werden: Von Hand (z.B. Spaten, Schubkarre) oder mit Maschineneinsatz (z.B. Fräse, Dumper). Weiter sind die Zufahrten für Maschinen und Transport zu klären und zu berücksichtigen, sowie eine Bodenverdichtung durch entsprechenden Bodenschutz zu minimieren

        Die Ausführung und Erstellung können basierend auf der Planung ausgeschrieben und an ein Unternehmen vergeben werden. Die Leistungsausschreibung ist mit Massangaben und Qualitätsvorgaben zu versehen. Die in dieser Web App vorhandenen Grundlagen (z.B. Referenzbilder, qualitative und quantitative Anforderungen) können hierfür genutzt werden.

        Bauherrschaft aufklären

        Blumenwiesen entwickeln sich langsamer als Gebrauchsrasen, da die enthaltenen Arten konkurrenzschwächer sind und weniger schnell wachsen [9].

        Bis sich das gewünschte Vegetationsbild einstellt, kann es folglich einige Jahre dauern, was bei der Kommunikation mit der Bauherrschaft zu berücksichtigen ist.

        Kosten schätzen

        Erstellungskosten

        Die Erstellungskosten von Blumenwiesen sind verhältnismässig gering. Hingegen sind die Kosten für Direktbegrünung und autochthone Saatgutmischungen höher als für Standardsaatgut.

        Die Erstellungskosten sind abhängig von Grösse und Topografie der Fläche, den Personal- und Materialkosten, Pauschalen für Anfahrt, Baustellenvorbereitung und -installation sowie den Kosten für Maschinen, Materialabtransport und Deponiekosten. Für eine Kostenschätzung sind Offerten bei verschiedenen Unternehmen einzuholen. Dabei ist klar zu definieren, inwiefern die Erstellungs- und Entwicklungspflege der ersten Jahre ebenfalls in der Offerte enthalten sein soll. Kompetenzen in der Erstellung von Blumenrasen haben zum Beispiel Bioterra-Fachbetriebe.

        Detaillierte Erstellungskoten können zum Beispiel basierend auf der Planung mit Greencycle kalkuliert werden.

        Betriebs- und Unterhaltskosten

        Blumenwiesen sind pflegeleicht, die Betriebs- und Unterhaltskosten entsprechend gering. Gegenüber einem Rasen wird eine Blumenwiese weniger häufig gemäht [10], weshalb die Pflegekosten grundsätzlich – bei fachgerechter Planung und Realisierung – geringer sind.

        Wenn die Pflege der Blumenwiese von einem Unternehmen übernommen wird, ist zu beachten, dass die Haupttätigkeit (Mahd) meistens weniger kostet, als die Pauschale für Anfahrt und Einrichtung [3]. Es empfiehlt sich deshalb, mehre Profile bzw. den gesamten Grünraum an ein Unternehmen zu vergeben.

        Die langfristigen Unterhaltskosten können basierend auf der Planung zum Beispiel mit Greencycle light einfach ermittelt werden.

        Weitere Informationen zu den Kosten und Nutzen.

        Realisierung

        Bestehende Blumenwiesen vor Bautätigkeiten schützen

        Wenn nötig Bodenverbesserungen vornehmen und Boden nach Arbeiten 3 Wochen absetzten lassen

        Potenziale von Ansaat und Direktbegrünungen ideal nutzen und fachgerecht umsetzen

        Standortgerechtes und einheimisches Saat- und Pflanzgut (regionale Ökotypen) verwenden

        Fachgerechtes Ausbringen des Saatgutes

        Keine Bewässerung und Düngung nach Aussaat

        Erstellungspflege nicht vernachlässigen, Säuberungsschnitte im Aussaatjahr durchführen

        Strukturelemente realisieren

        Massnahmen im Detail

        Bestehende Blumenwiesen schützen

        Soll im Projektperimeter ein bestehender Blumenwiese erhalten werden, sind sämtliche Akteure auf der Baustelle umfassend zu informieren. Die Fläche ist abzusperren, damit sie von den Baumassnahmen unberührt bleibt.

        Boden vorbereiten

        Wird eine Blumenwiese neu angelegt, ist darauf zu achten, dass der Boden wasserdurchlässig bleibt und nicht durch den Einsatz von Baumaschinen verdichtet wird [11]. Hierfür ist sicherzustellen, dass auch im Untergrund keine verdichteten Bodenhorizonte vorhanden sind. Allfällige Verdichtungen sind mit Bodenbohrer oder Bagger aufzulockern, um die Gefahr von Staunässe zu reduzieren [7].

        Ist der vorhandene Oberboden nicht für eine Blumenwiese geeignet, ist dieser entsprechend der Planung anzupassen. Dazu können Ober- und Unterboden vermischt werden oder mineralische Anteile (Sand und Schotter) eingearbeitet werden. Verfügt der vorgesehene Standort über keinen geeigneten Oberboden ist ein solcher einzubauen. Stammt der verwendete Oberboden von einer anderen Stelle im Bauprojekt, ist für eine korrekte Zwischenlagerung zu sorgen.

        Alternativ kann ein adäquates Substrat lokal beschafft und eingebaut werden. Für Blumenwiesen hat sich folgendes Substart-Gemisch als sinnvoll erwiesen [12]: 1/3 Ober- und Unterboden, 1/3 Kies 0/32 mm und 1/3 Sand 0/4 mm.

        Für einen Halbtrockenrasen wird die folgende Substratzusammensetzung empfohlen [7]: Auf Schotter- oder Kiessicht 3 bis 7 cm steriler Grünkompost (30 bis 70 L/m2) als Saatbeet aufbringen und oberflächlich einarbeiten. Auf Magerrasen genügen 1 bis 3 cm (10 bis 30 L/m2) Grünkompost.

        Das Saatbeet einer Blumenwiese muss gut vorbereitet werden. Dieses soll feinkrümelig und frei von Fremdbewuchs (Wurzelreste, Grasmotten, Durchwuchs) sein.

        Zwischen der letzten Bodenvorbereitung und der Ansaat sind mindestens drei Wochen abzuwarten, damit sich das Saatbeet absetzen kann. Idealerweise wird das Saatbeet im Herbst vorbereitet und im Frühling angesät.

        Wird die Rohplanie im Sommer oder Winter erstellt, keimen bis zur Ansaat im Herbst oder Frühling unerwünschte Pflanzen. Diese Pflanzen sind vor der Ansaat manuell oder mechanisch zu entfernen. Auf den Einsatz von Pestiziden und thermischen Verfahren ist zu verzichten.

        In der Zeit bis zum optimalen Saatzeitpunkt ist der Boden regelmässige flach zu bearbeiten (ca. 3 cm) um das Aufkommen von unerwünschten Pflanzen zu verhindern. Im Spätsommer kann eine nicht überwinternde Gründüngung den Boden bis zum nächsten Frühling vor Erosion und Verunkrautung schützen [11].

        Saat- und Pflanzgut auswählen

        Basierend auf Überlegungen zur Begrünung werden das Saatgut, Spenderwiesen und/oder Wildstauden ausgewählt. Die Auswahl soll möglichst viele verschiedene Pflanzenarten aufweisen, denn es gilt der Grundsatz: Je mehr Pflanzenarten eine Blumenwiese aufweist, desto mehr Tierarten können potenziell vorkommen.

        Saatgut

        Das Saatgut soll von einheimischen, standortgerechten Wildstauden und -gräser regionaler Herkunft stammen. Lokale Wildpflanzen tragen zur genetischen Vielfalt bei und haben höhere Chancen sich in der Blumenwiese langfristig zu etablieren [3]. Viele Saatgutmischungen haben ein breites Artenspektrum, sodass bei allen Standortbedingungen eine artenreiche Blumenwiese entsteht.

        Weitere Angaben zur Auswahl von Saatgut sind im Fachthema Pflanzenverwendung beschrieben.

        Direktbegrünung

        Neben den Empfehlungen von Info Flora/RegioFlora existiert für Direktbegrünungen der Qualitätsstandard HoloSem. Der Standard definiert, welche standörtlichen und qualitativen Anforderungen bei der Ernte des Saatgutes zu berücksichtigen sind.

        Neben der Einhaltung des Standards wird für die Ausführung eine fachliche Begleitung und Beratung empfohlen, um Erfolg und Qualität der angesäten Flächen zu verbessern [8]. Entsprechende Expertise liefert das Netzwerk an Fachberatungen von Regioflora.

        Relevante Hinweise zur Auswahl von Spenderflächen sind unter Regioflora zu finden. Hier können zudem Spenderflächen gesucht und eingetragen werden. Die Datenbank befindet sich im Aufbau und wird laufend erweitert.

        Wildstauden

        Wird die Begrünung der Blumenwiese mit einer Initialbepflanzung unterstützt, sollen die einheimischen, standortgerechten Wildstauden regionaler Herkunft sein.

        floretia liefert Informationen zu standortangepassten Wildpflanzen und Bezugsmöglichkeiten. Geeignete Wildstauden aus der Umgebung sind insbesondere in Bioterra-Wildpflanzengärtnereien erhältlich.

        Hintergründe und Details zur Beschaffung von Saatgut und Pflanzen sind im Fachthema Pflanzenverwendung zu finden.

        Blumenwiesen begrünen

        Ansaat

        Die Aussaat erfolgt auf einem gut abgesetzten Saatbeet, das frei ist von Fremdbewuchs. Bei einer Streifensaat werden dafür 15 bis 25% bis maximal 50% der bestehenden Wiese gefräst. Meist ist eine mindestens dreimalige Wiederholung im Abstand von ca. 2 Wochen nötig, bis die alte Vegetation vollständig abgestorben ist. Alte Grasnarben gilt es restlos abzutragen.

        Die letzte tiefe Bodenbearbeitung bzw. das Aufbringen des Substrates muss mindesten drei Wochen zurückliegen. Kurz vor der Saat soll nochmals bis ca. 3 cm Tiefe der Boden gelockert werden; aufkommende Pflanzen sind zu entfernen.

        Die Blumenwiese wird von Mitte April bis Mitte Juni angesät; allenfalls ist eine Aussaat im September möglich. Eine Ansaat im Frühjahr hat den Vorteil, dass das Risiko einer Bodenverschlämmung gering ist und Schnecken- und Vogelfrass durch das schnellere Auflaufen der Pflanzen minimiert wird [7].

        Erfolgt die Saat zu früh, kann das Saatgut auf der kalten Bodenoberfläche nicht keimen – im Gegensatz zum ungewollten Beikraut. In den Sommermonaten sollte nach Möglichkeit auf eine Ansaat verzichtet werden, weil in dieser Zeit eine Bewässerung nötig wird [13]. Herbstsaaten wiederum führen zu gräserreichen Beständen, da viele Blumenarten zu schwach in den Winter gehen [11].

        Das Saatgut wird in zwei Arbeitsgängen kreuzweise auf feinkrümeligem Boden eingesät. Bezüglich Saatgutmenge pro Quadratmeter sind die Herstellerangaben zu beachten. Standardmässig werden ca. 6 Gramm Samenmischung pro Quadratmeter gesät. Ein Überschreiten der angegebenen Saatgutmenge hat zur Folge, dass die Grassamen zu dicht liegen und dadurch das Aufkommen der langsamer keimenden Staudensamen verhindern.[3]

        Falls das Saatgut mit Saathelfer gestreckt wird, sind die Herstellerempfehlungen zu befolgen. Sind keine Saathelfer enthalten, kann das Saatgut für eine gleichmässige Aussaat mit leicht feuchtem Sand gemischt werden.[7]. Auf keinen Fall darf es in den Boden eingearbeitet werden, da die meisten krautigen Pflanzen Lichtkeimer sind. Um Erdkontakt zu gewährleisten, ist das Saatgut lediglich anzuklopfen oder einzuwalzen.

        Blumenwiesensaaten keimen verhältnismässig langsam und erst ca. 1 bis 3 Monate nach der Ansaat.[11] Zu Beginn weist die Blumenwiese eine lückenhafte Vegetation auf, die sich langsam schliesst.

        Direktbegrünung

        Sobald die meisten Pflanzen Samen gebildet haben (Juni, Juli), wird die Spenderfläche unter einigermassen feuchten Bedingungen (idealerweise am frühen Morgen) gemäht.[14]

        Das Schnittgut wird sofort nass zu Ballen gepresst oder lose von Hand oder mit dem Ladewagen aufgeladen. Noch am selben Tag wird das Schnittgut zur Empfängerfläche transportiert und mittels Ladewagen mit integrierter Dosierwalze, Miststreuer oder mit der Gabel in einer 5 bis 10 cm dicken Schicht ausgebracht (Faustregel Verhältnis Spenderfläche - Empfängerfläche 1:1).

        Die Samen fallen durch die Grasschicht auf den Boden und keimen unter der Schutzschicht des verrottenden Grases.

        Initialbepflanzung und Sodenversetzung

        Der ideale Zeitpunkt für die Pflanzung von Wildstauden ist Ende April oder September. Die Stauden werden in Gruppen gepflanzt mit 8 bis 10 Pflanzen pro m2. Idealerweise wird nur je eine Art pro m2 gepflanzt. Die Lücken lassen sich mit einer Blumenwiesen-Saatgutmischung füllen.

        Ideale Zeitpunkte für eine Sodenversetzung sind März bis Juli und September bis November. August ist je nach Wetter (keine Hitzeperiode) auch möglich.

        Gebrauchsrasen in Blumenwiese umwandeln

        Hinweise zur Realisierung sind hier beschrieben.

        Artenarme Blumenwiesen umwandeln

        Hinweise zur Realisierung sind hier beschrieben.

        Kleinstrukturen erstellen

        Die Kleinstrukturen sind an den in der Planung vorgesehenen Standorten und in der festgelegten Qualität zu erstellen. Macht die Planung keine spezifischen Angaben zu Standort und Qualität, können die Kleinstrukturen auch ad hoc vor Ort unter Berücksichtigung der Planungs- und Realisierungshinweise erstellt werden.

        Das im Rahmen von Schnitt- und Pflegemassnahmen anfallende Material (z.B. Äste, Totholz, Blüten- und Samenstände) eignet sich hierfür bestens.

        Erstellungs- und Entwicklungspflege durchfüren

        Die vorgesehenen Pflanzenarten einer Blumenwiese blühen erst nach der ersten Überwinterung, weshalb eine erste Erfolgskontrolle auch erst dann sinnvoll ist [11]. Zu Beginn wird die Vegetation noch Lücken aufweisen, die laufend von ausbreitenden Arten geschlossen werden. Im ersten Jahr dominieren spontan wachsenden Beikräuter, insbesondere einjährige krautige Pflanzen (Therophyten), die jedoch wichtig sind, um die auflaufende Saat vor Sonnenstrahlen zu schützen [7].

        Unerwünschte Pflanzen sollen nicht gejätet werden [15], es sei denn es handelt sich um invasive gebietsfremde Arten.

        Blumenwiesen werden grundsätzlich nicht bewässert; auch nicht nach der Aussaat, weil davon insbesondere Gräserarten profitieren. Aus demselben Grund werden Blumenwiesen nicht gedüngt; auch nicht im Aussaatjahr.

        Hingegen sind im ersten Jahr mehrere Säuberungsschnitte durchzuführen. Der erste erfolgt, sobald die Vegetation 30 bis 40 cm hoch ist und kein Licht mehr auf den Boden fällt [11], also 6 bis 8 Wochen nach der Ansaat. Säuberungsschnitte erfolgen mit der Sense oder einem hochgestellten Rasenmäher (höchste Stufe, mind. 10 cm).

        Das Schnittgut wird zusammengerecht und von der Fläche entfernt. Auf keinen Fall soll die Fläche gemulcht werden. Nach dem ersten Schnitt soll wieder Sonnenlicht auf den Boden gelangen [9], sodass die Samen der ausgesäten Arten keimen können. Weitere Säuberungsschnitte erfolgen, sobald die Vegetationshöhe ungefähr 50 cm hoch ist.

        Bei Streifensaaten sind auch die Randbereiche der angesäten Flächen regelmässig zu mähen, damit nicht die Gräser des alten Bestandes die offenen Fläche besiedeln [3]. Dadurch werden Rosettenpflanzen gestärkt und es entsteht bis zum Ende der ersten Vegetationsperiode eine Grasnarbe [9].

        Auch bei der Initialbepflanzung sind die Randflächen der Pflanzflächen regelmässig zu mähen, damit keine Gräser die neuen Stauden überwachsen [3]. Die gepflanzten Stauden werden erst gemäht bzw. zurückgeschnitten, wenn sie abgesamt haben.

        Im zweiten Jahr nach der Aussaat sind keine Säuberungsschnitte mehr erforderlich. Das Schnitt- wie auch das übrige Pflegeregime soll dann demjenigen der Erhaltungspflege entsprechen und ist stark von lokalen Boden- und Klimaverhältnissen abhängig.

        Pflege

        1 bis 3 Mal pro Jahr abschnittsweise mähen und mind. 10% der Fläche als Altgrasstreifen stehen lassen

        Mit Balkenmäher oder Sense mähen

        Heuen und Schnittgut abführen

        1 bis 2 Mal pro Jahr lauben

        Ränder nach Bedarf pflegen

        Keine Bewässerung, Düngung und Pestizide

        Naturnahe Pflege

        Trockene und magere Standorte weisen die vielfältigsten Blumenwiesen auf. Blumenwiesen dürfen daher nicht gedüngt werden. Auch bei langanhaltenden Trockenperioden werden Blumenwiesen nicht bewässert. Allfällige Lücken schaffen Platz für Jungpflanzen.

        Auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist grundsätzlich zu verzichten. Blumenwiesen dürfen nur während längerer Schönwetterperioden gemäht werden, um das Trocknen des Schnittguts und das Herausfallen der Samen auf der Wiese zu gewährleisten («Heuen»). Können die Samen nicht herausfallen, verringert sich langfristig die Artenvielfalt.

        Um der Fauna Rückzugsorte während und nach der Mahd zu bieten und die Artenvielfalt zu fördern, wird die gesamte Fläche nie auf einmal gemäht.

        Massnahmen naturnahe Pflege im Jahresverlauf

        Bei der naturnahen Pflege einer Blumenwiese steht der Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt im Vordergrund. Daran orientiert sich die Definition des SOLL-Zustandes und die Pflegemassnahmen. Für die Pflegenden vor Ort gilt es abzuwägen, welche Pflegemassnahmen den IST-Zustand der Blumenwiese in den SOLL-Zustand überführen können. Dabei muss vor allem auf den Standort der Blumenwiese geachtet werden.

        Die verschiedenen Blumenwiesentypen haben unterschiedliche ökologische Potenziale und unterscheiden sich auch in ihrem SOLL-Zustand. Ausserdem müssen bei der Wahl der Pflegemassnahmen der IST-Zustand und mögliche Probleme der Fläche berücksichtigt werden.

        Planungs- und Umsetzungshilfen

        Der Profilkatalog naturnahe Pflege vermittelt Fachwissen und Handlungsanleitungen zu sämtlichen Profilen. Das Praxishandbuch ist eine kompakte Kurzfassung des Kataloges. Im Jahrespflegeplaner sind die Pflegemassnahmen für alle Profile in einer Excel-Tabelle zusammengestellt.

        Massnahmen im Detail

        Mähen

        Blumenwiesen werden 1 bis 3 Mal im Jahr gemäht. Es soll nie die ganze Wiesenfläche auf einmal, sondern immer abschnittsweise/gestaffelt und um einige Tage bis zu einem Monat versetzt gemäht werden.

        Zudem soll jeweils ein Altgrasstreifen von mindestens 10% der Wiesenfläche stehen bleiben [2]. Damit werden Rückzugsorte, Überwinterungsmöglichkeiten und das Potenzial zur Wiederbesiedlung der gemähten Flächen geschaffen [8].

        Die Häufigkeit der Mahd hängt wesentlich vom Wiesentyp und der Wüchsigkeit ab. Auf mageren Böden an sonnigen Standorten kann ein Schnitt pro Jahr ausreichen, auf nährstoffreichen Böden sind bis zu drei Schnitte nötig. Die richtige Zeitspanne für den Schnitt ist kurz vor der Samenreife der Leitgräser (z.B. Fromentalgras in Fromentalwiesen). Beim ersten Schnitt im Jahr entspricht dies in etwa dem Blütezeitpunkt der Wiesen-Margerite.

        Bei nährstoffreichen Wiesen erfolgt der erste Schnitt ab Ende Mai/Anfang Juni, bei nährstoffärmeren Wiesen ab Mitte Juni. Empfohlen wird ein Intervall zwischen der ersten und zweiten Mahd von mindestens sechs, besser acht bis zwölf Wochen [2][16].

        Wird der Schnittzeitpunkt über mehrere Jahre hinweg um einige Wochen variiert, wirkt sich das positiv auf die Biodiversität aus, da früh- und spätblühende Arten gleichermassen gefördert werden [1][2]. Als Variation gibt es beispielsweise auch die Nutzungsvariation in Form eines Dreijahreszyklus (2 Jahre späte Mahd, 1 Jahr frühe Mahd) auf einer Fläche [8].

        Die Schnitthöhe liegt bei mindestens 8 bis 12 cm, um Insekten und andere Kleintiere bei der Mahd zu schonen.

        Die Mahd erfolgt mit einem Motorbalkenmäher, am Traktor befestigten Messerbalken oder auf Kleinflächen mit der Sense. Dadurch wird die Fauna bestmöglich geschont. Auf den Einsatz von Fadenmähern, Rotationsmähwerk mit Aufbereitern oder Schlegelmähern ist zu verzichten. Zum einen können sie Tiere wie Blindschleichen und junge Igel tödlich verletzen, zum anderen führen sie oft zu Schäden an Pflanzenrosetten. Hinzu kommt der höhere Ressourcenverbrauch [2].

        Nach dem Mähen müssen nach Bedarf die mit dem Mähgerät schwer zugänglichen Stellen, wie etwa entlang von Wegen, Rabatten oder um Bäume und Sträucher, nachgeschnitten werden. Beim Mähen soll von innen gegen aussen bzw. zu den Refugien hin gemäht werden - generell so, dass mobile Kleintiere in ungemähte Bereiche fliehen können.

        Abgesehen von Altgrasstreifen sollen Blumenwiesen nicht ungemäht überwintern. Am Ende des Jahres (Sept. bis Nov.), wenn der Wuchs hoch genug ist (ab ca. 30 cm) und die Blumen verblüht sind, wird ein letzter Schnitt durchgeführt. So wird die Vermehrung von Mäusen gehemmt und die Wildblumen können im folgenden Jahr wieder ungehindert austreiben.

        Heuen und abführen

        Nach dem Mähen muss das Schnittgut mindestens 24 Stunden - besser 2 bis 3 Tage - auf der Wiese in der Sonne trocknen, damit die Samen ausfallen und Insekten sich verkriechen können. Hierfür ist das Heu gleichmässig auf der Fläche zu verteilen und mehrmals zu wenden (zetten), damit es vollständig trocknet.

        Das trockene Schnittgut muss abtransportiert werden und darf nicht auf der Wiese liegen bleiben, da dies Rosettenpflanzen schädigt, zu einer unerwünschten Düngung der Wiese führt und das Aufkommen von Feldmäusen fördert [8].

        Ausserdem ist darauf zu achten, dass mit dem Schnittgut nicht niedrigere Bodenstellen aufgefüllt werden (insbesondere auch bei der Mahd mit der Motorsense). Solche offene Stellen sind wichtige Nischen für die erfolgreiche Reproduktion der Wiesenpflanzen [8].

        Das Heu kann als Heuhaufen, Futter für (Klein-) Tiere und Substrat einer Biogasanlage verwendet oder kompostiert werden.

        Beweidung

        Ein Nährstoffaustrag durch Beweidung mit dem Ziel der Biodiversitätsförderung ist komplex und sollte nur unter Einhaltung strenger Bedingungen erfolgen [8].

        Neben der Beachtung von spezifischen Zeitpunkten, Bestossungsdichten und Tierarten/-rassen betrifft das auch das Weideregime. So dürfen Weidetiere über Mittag und nachts (bzw. generell zu den Ruhezeiten) nicht auf der Weidefläche belassen werden; andernfalls gelangt ein Grossteil der entzogenen Nährstoffe über die Ausscheidungen wieder in die Fläche. Ausserdem darf keinesfalls eine Zufütterung erfolgen, was wiederum die Wahl der Tierart und auch der Altersklasse beeinflusst.

        Es ist davon auszugehen, dass eine sachgerechte Weideführung inklusive Pflege nicht weniger aufwändig ist als eine Schnittnutzung [8].

        Problempflanzen entfernen

        Kommen auf der Blumenwiese invasive gebietsfremde Arten vor, sind diese fachgerecht und manuell zu entfernen.

        Ränder pflegen

        Im Siedlungsgebiet haben sich aus ästhetischer und Nutzungssicht Sauberkeitsstreifen (regelmässige Mahd mit dem Rasenmäher) an den Rändern von Blumenwiesen, vor allem entlang von Wegen und Plätzen, bewährt.

        Je nach Randabschluss und Bedarf können die Ränder der Sauberkeitsstreifen chappiert werden. An Gehölzrändern soll nach Möglichkeit ein Krautsaum stehen gelassen werden.

        Laub entfernen

        Im Herbst muss Laub von der Wiese entfernt werden (Nährstoffausfuhr). Laub ist in Form von Laubhaufen, die über den Winter liegen gelassen werden, ein wertvoller Lebensraum für Kleintiere, insbesondere für Igel.

        Instandsetzung

        Problempflanzen reduzieren

        Treten in gewissen Teilflächen vermehrt Problempflanzen auf, deren Bestände nicht über die reguläre Pflege eingedämmt werden können (Schnittmassnahmen, manuelle Entfernung), sind auf den betroffenen Teilflächen die Problempflanzen (möglichst samt Wurzelwerk) und die bestehende Grasnarbe zusammen mit dem Oberboden zu entfernen. Anschliessend ist geeignetes Substrat einzubauen und mit dem richtigen Saatgut wieder zu begrünen.

        Gräseranteil reduzieren

        Nimmt der Gräseranteil über die Jahre zu, sind die Ursachen genauer zu prüfen. Mögliche Gründe sind, dass durch den Schnitt oder das Lauben zu wenig Biomasse entfernt wird oder externe Nährstoffe (z.B. durch nährstoffreiches Oberflächenwasser) eingetragen werden. Die Ursachen sind nach Möglichkeit zu beheben.

        So können zum Beispiel die Schnitthäufigkeit und das Intervall des Laubens erhöht oder Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) eingesät werden. Bleibt der Erfolg in den kommenden Jahren aus, obwohl die Standortbedingungen für Blumenwiesen grundsätzlich ideal sind, ist eine Sanierung zu prüfen.

        Sanierung

        Die Sanierung einer Blumenwiese ist dann angezeigt, wenn die grundsätzlichen Standortansprüche erfüllt sind, aber dennoch der Gräser- zu Lasten des Wildstaudenanteils zunimmt. Andere Gründe für Sanierungen sind grossflächig auftretende invasive gebietsfremde Arten.

        Je nach Sanierungsgrund ist die Vegetationsschicht zusammen mit dem Oberboden zu entfernen. Anschliessend geeignetes Substrat einzubauen und mit dem richtigen Saatgut wieder zu begrünen.

        Entwicklung und Förderung

        Auf Blumenwiesen soll vor allem die Arten- und Strukturvielfalt gefördert werden. Die floristische Vielfalt innerhalb der Wiese ist umso höher, je nährstoffärmer der Standort ist. Es ist daher darauf zu achten, dass möglichst keine neuen Nährstoffe durch Düngung, Liegenlassen des Grünguts oder nährstoffreiches Oberflächenwasser eingetragen werden.

        Die Biodiversität kann auch mittels Nachsaat, z.B. mittels Streifensaat oder Direktbegrünung, mit regionaltypischem Saatgut erhöht werden. Diese Massnahmen gehen über die normale Pflege hinaus, da vorgängig eine Bodenbearbeitung erfolgen muss. Die Nachsaat ist dann sinnvoll, wenn der Standort relativ nährstoffarm ist und somit Potenzial für eine höhere Artenvielfalt besteht. Auf sehr nährstoffreichen Standorten sind einige Gräser und fettwiesentypische Pflanzen wie z.B. Löwenzahn so dominant, dass sie ein Aufkommen der Nachsaat unterdrücken.

        Rückbau

        Wertvolle Pflanzen erhalten

        Sodenversetzung prüfen

        Wiederverwendung von Oberboden prüfen

        Wiederverwendung von Kleinstrukturen prüfen

        Massnahmen im Detail

        Wertvolle Pflanzen erhalten

        Müssen wertvolle und artenreiche Blumenwiesen zurückgebaut werden, ist die Möglichkeit zu prüfen, wertvolle Einzelpflanzen auszugraben und in anderen Blumenwiesen oder -rasen in der Umgebung einzupflanzen.

        Ebenfalls ist zu prüfen, ob die Blumenwiese bzw. Teilflächen davon mittels Sodenversetzung transferiert werden oder ob sie (ein letztes Mal) als Spenderwiese für eine Direktbegrünung genutzt werden kann.

        Oberboden wiederverwenden

        Der Oberboden einer Blumenwiese kann für die Realisierung einer neuen Blumenwiesen wiederverwendet werden. Das spart möglicherweise Transport- und Materialkosten. Im Boden können zudem wertvolle Samen enthalten sein («Samenbank»). Eine fachgerechte Lagerung des Bodens ist zu beachten.

        Kleinstrukturen wiederverwenden

        Sind auf der Blumenwiese Kleinstrukturen vorhanden, ist zu prüfen, ob diese und/oder Teile davon auf einer anderen Blumenwiesen oder innerhalb eines anderen Profils wiederverwendet werden können.

        Bestimmungen

          Gesetzliche und planerische Grundlagen für die Planung, Realisierung, Pflege und Rückbau (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

          • Chemikalienverordnung (ChemV)
          • Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV)
          • Pflanzenschutzmittelverordnung (PSMV)

          Quellen

          1

          Gürke, J. (2014). Blumenwiesen anlegen und pflegen – Pro Natura Praxis (Nr. 21; Pro Natura Praxis). Pro Natura.

          2

          Ruckstuhl, M., Balmer, H., Wittmer, M., Fürst, M., Studhalter, S., Hose, S., & Fritzsche, M. (2010). Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen. Grün Stadt Zürich, Fachbereich Naturschutz.

          3

          Tschäppeler, S., & Haslinger, A. (2021). Natur braucht Stadt—Berner Praxishandbuch Biodiversität. Haupt Verlag.

          4

          Rieder, M. (2014). Wiesen zum Geniessen – Die Naturwiese im eigenen Garten. Die Wiener Volkshochschulen. http://www.umweltberatung.at/

          5

          Delarze, R., Gonseth, Y., Eggenberg, S., & Vust, M. (2015). Lebensräume der Schweiz: Ökologie - Gefährdung - Kennarten (3., vollständig überarbeitete Auflage). Ott – der Sachbuchverlag.

          6

          Burri, J. (2013). Neuansaat der UFA Wildblumenwiese Original CH-G. Bioterra.

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          Aufderheide, U. (2011). Rasen und Wiesen im naturnahen Garten: Neuanlage, Pflege, Gestaltungsideen. Pala-Verlag.

          8

          biodivers. (2019). Plattform Naturförderung. biodivers. https://www.biodivers.ch/

          9

          Aufderheide, U. (2015). Schöne Wege im Naturgarten—Wege, Plätze und Einfahrten als Lebensräume—Planen, Bauen, Gestalten. pala-Verlag.

          10

          Brack, F., Hagenbuch, R., Wildhaber, T., Henle, C., & Sadlo, F. (2019). Mehr als Grün! – Praxismodule Naturnahe Pflege: Profilkatalog (Grün Stadt Zürich, Hrsg.). ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Forschungsgruppe Freiraummanagement (unveröffentlicht).

          11

          Burri, J. (2016). Anbauanleitung von Blumenwiesen. http://www.wildblumenburri.ch/

          12

          Hilgenstock, F., Witt, R., Aufderheide, U., Dernbach, D., Koningen, H., Kumpfmüller, M., Lobst, S., Polak, P., & Brenneisen, S. (2017). Das Naturgartenbau-Buch: Nachhaltig denken, planen, bauen: Bd. 1 Band (1. Auflage). Naturgarten Verlag.

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          Lomer, W., & Voss, H. G. (2009). Der Gärtner 4. Garten- und Landschaftsbau (3. Aufl.). Verlag Eugen Ulmer.

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          Mascitti, A. L. (2020). Regio Flora. Regio Flora Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland. https://www.regioflora.ch/

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          Gähler, M. (2018). Blumenwiesen und Blumenrasen. Naturgarten. http://www.naturimgarten.ch/

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          Poschlod, P. (2021). Literaturstudie zum "Management von (FFH-)Grünland hinsichtlich Beibehaltung/Erhöhung der typischen Artenvielfalt. Institut für Botanik Universität Regensburg.