In Kürze

Blumenrasen enthalten mehr blühende Wildpflanzen als Gebrauchsrasen, vermitteln durch die regelmässige Mahd aber dennoch einen gepflegten, ordentlichen Eindruck.

Kurzdefinition

Blumenrasen sind die Zwischenformen zwischen einem niedrigwachsenden Gebrauchsrasen und einer hochwüchsigen, artenreichen Blumenwiese. Blumenrasen bestehen aus schnittverträglichen, regenerationsfähigen und vorwiegend einheimischen Wildgräser und -stauden. Blumenrasen eignen sich auch für begeh- und nutzbare Flächen und Randbereiche von Blumenwiesen.

    Biodiversitätsförderung

    Wird das Profil wie auf dieser Seite beschrieben geplant, realisiert und gepflegt, weist es folgende Potenziale auf:

    hoch = • • • • •   tief = •   negativ = (•)

    Ökologische Vernetzung

    • •

    Lebensraum für Wildtiere

    • •

    Lebensraum für Wildpflanzen

    • •

    Ökologischer Ausgleich

    • •

    Anforderungen

    Grundsätze

    Mit der Erfüllung dieser Grundsätze wird die Biodiversität gefördert.

    Saat- und Pflanzgut

    100% einheimisch und standortgerecht


    > 20% Wildstaudenanteil, < 80% Gräseranteil


    Möglichst autochthon


    Hohe Artenvielfalt


    0% invasive gebietsfremde Arten

    Pflege

    Möglichst gesamte Fläche gemäss Prinzipien naturnahe Pflege


    4 bis 6 Mal pro Jahr mähen


    > 5 cm Schnitthöhe


    Blumeninseln

    Nutzung

    Extensive Nutzung

    Standort

    Halbschattig bis sonnig

    Erhöhte Anforderungen

    Mit der Erfüllung dieser erhöhten Anforderungen wird die Biodiversität noch stärker gefördert.

      Saat- und Pflanzgut

      Nur Wild- und keine Zuchtformen


      Potenzial regionaler Spenderflächen nutzen

      Mindestgrösse

      > 10 m2

      Pflege

      100% der Fläche gemäss Prinzipien naturnahe Pflege

      Faktenblatt

      Das Wichtigste ist in diesem Faktenblatt zusammengesellt.

      Definition

      Blumenrasen sind die Zwischenformen zwischen einem niedrigwachsenden Gebrauchsrasen und einer hochwüchsigen, artenreichen Blumenwiese. Blumenrasen bestehen aus schnittverträglichen, regenerationsfähigen und vorwiegend einheimischen Wildgräsern und -stauden.

      Die Pflanzenarten sind anspruchslos und trittverträglich. Blumenrasen eignen sich auch für begeh- und nutzbare Flächen und Randbereiche von Blumenwiesen (Sauberkeitsstreifen).

      Blumenrasen eignen sich zur Nutzung als Spiel- und Liegefläche

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      Mithilfe von Geophyten blühen Blumenrasen bereits früh im Jahr

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      Die verschiedenen Formen und Farben der Pflanzen bieten Naturbeobachtungsmöglichkeiten

      Bildquelle: Adobe Stock


      Die Wuchshöhe der Pflanzen beträgt maximal 15 cm (in Ausnahmefällen 30 cm). Im Gegensatz zum Gebrauchsrasen zeichnen sich Blumenrasen durch einen wesentlich höheren Anteil an Wildstauden sowie einen etwas höheren Wuchs aus [1]. Der Unterschied zur Blumenwiese besteht vor allem im niedrigeren Wuchs und dem geringeren Anteil an Blütenpflanzen.

      Potenzial

      Wird das Profil wie auf dieser Seite beschrieben geplant, realisiert und gepflegt, weist es folgende Potenziale auf:

      hoch = • • • • •   tief = •   negativ = (•)

      Biodiversitätsförderung

      Ökologische Vernetzung

      • •

      Lebensraum für Wildtiere

      • •

      Lebensraum für Wildpflanzen

      • •

      Ökologischer Ausgleich

      • •

      Siedlungsklima

      Hitzeminderung

      • •

      Verbesserung Luftqualität

      • •

      Versickerung und Wasserretention

      • • •

      Bodenschutz und Versiegelung

      • • •

      Nutzungsmöglichkeiten

      aktive Nutzung

      • • • •

      passive Nutzung und Aufenthaltsqualität

      • • •

      Nutzung, Gestaltung und ökologisches Potenzial

      Typische Pflanzen

      Blumenrasen bestehen aus schnittverträglichen, regenerationsfähigen und vorwiegend einheimischen Wildgräsern und -stauden. Typische Pflanzen von Blumenrasen sind vor allem konkurrenzschwache und eher langsam wüchsige Wildgräser und kriechende Wildstauden mit einer hohen Blütenintensität, die eine regelmässige Mahd vertragen [3].

      Bei einem naturnahen Pflegeregime (z.B. 5 bis 6 Schnitte pro Jahr, keine Düngung) können sich Arten der Fromentalwiesen und teilweise auch der Trespen-Halbtrockenrasen etablieren und reproduzieren [4].

      Pflanzenarten von Blumenrasen sind grundsätzlich anspruchslos und bei guter Witterung trittverträglich. Ein Blumenrasen beinhaltet bis zu 25 verschiedene Pflanzenarten [2]. In alten Beständen können auch einheimische Orchideen vorkommen [1].

      Beispiele Pflanzenarten

      Wiesen-Pippau

      (Crepis biennis)

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      Links: Wiesen-Kammgras

      (Cynosurus cristatus)

      Rechts: Englisches Raygrass

      (Lolium perenne)

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      Kleine Brunelle

      (Prunella vulgaris)

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      Wiesen-Schafgarbe

      (Achillea millefolium)

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      Arznei-Thymian

      (Thymus serpyllum aggr.)

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      Links: Duftendes Ruchgras

      (Anthoxanthum odoratum)

      Rechts: Rispengräser

      (Poa sp.)

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      Problempflanzen

      Typische Tiere

      Ein artenreicher Blumenrasen bietet zahlreichen Tieren Lebensräume und Nahrungsangebote. Meist handelt es sich bei Blumenrasen um Teillebensräume, dies bedeutet, dass viele Tierarten weitere Lebensräume benötigen, die biodivers gestaltet sind.

      Beispiele Tierarten

      Hauhechel-Bläuling

      (Polyommatus icarus)

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      Grünes Heupferd

      (Tettigonia viridissima)

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      Hausrotschwanz

      (Phoenicurus ochruros)

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      Hausspitzmaus

      (Crocidura russula)

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      Ackerhummel

      (Bombus pascuorum)

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      Braunbrustigel

      (Erinaceus europaeus)

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      Standort

      Blumenrasen gedeihen auf unterschiedlichen Böden an trockenen bis feuchten, nährstoffarmen bis mässig nährstoffreichen oder lehmigen Standorten. Sie bevorzugen jedoch tiefgründige und humose Böden und sonnige bis halbschattige Lichtverhältnisse [5]. Die artenreichsten Blumenrasen gedeihen auf mageren, nährstoffarmen Böden bei guter Besonnung [6].

      Zielbild

      Die Wuchshöhe von Blumenrasen beträgt 15 bis 20 cm (Schnitthöhe > 5 cm) und liegt damit zwischen einem niedrigwachsenden Gebrauchsrasen und einer hochwüchsigen Blumenwiese. Wenig genutzte Rand- und flächig verteilte Bereiche (Blumeninseln) können auch höher werden, indem sie seltener gemäht werden. Diese Bereiche stellen Rückzugsorte und Nahrungsquellen für verschiedene Tierarten dar.

      Im Gegensatz zum Gebrauchsrasen zeichnen sich Blumenrasen durch einen höheren Anteil an Blütenpflanzen sowie einem höheren Wuchs aus. Ein artenreicher Blumenrasen besteht aus bis zu 25 verschiedenen Pflanzenarten. Der Unterschied zur Blumenwiese besteht vor allem im niedrigeren Wuchs, dem geringeren Anteil an Blütenpflanzen und dem Fehlen von Lücken am Boden.

      Beispiele

      Sammlung von Beispielen, die im Siedlungsgebiet von Schweizer Gemeinden und Städten angelegt wurden.

      Blumenrasen direkt nach Schnitt in Neuchâtel Rives de Monruz

      Bildquelle: David Marchon


      Blumenrasen angrenzend an Blumenwiese in Neuchâtel Rives du Nid-du Crô

      Bildquelle: Service des parcs et promenades


      Planung

      Bestehende ökologisch wertvolle Blumenrasen erhalten

      Ideale Standortverhältnisse schaffen

      Blumenrasen insbesondere an halbschattigen bis sonnigen Standorten vorsehen

      Naturnahe Pflegeprofile in unmittelbarer Umgebung vorsehen

      Fläche mit einheimischen und standortgerechten Pflanzen ansäen

      Als Substrat nach Möglichkeit vorhandenen Oberboden nutzen

      Blumenrasen extensiv nutzen

      Pflege von Beginn an mitberücksichtigen

      Massnahmen im Detail

      Realisierung

      Bestehende Blumenrasen vor Bautätigkeiten schützen

      Nach Bodenvorbereitung Boden > 4 Wochen absetzten lassen

      Vor Ansaat aufkommende Pflanzen manuell oder maschinell entfernen, für unkrautfreien Boden sorgen

      Blumenrasensaatgut mit einheimischen und standortgerechten Pflanzen verwenden

      Ansaat von April bis Mitte Juni, danach nicht bewässern und düngen

      Gleichmässige kreuzweise Ausbringung des Saatgutes, anschliessend anklopfen oder walzen

      Säuberungsschnitte im Aussaatjahr

      Massnahmen im Detail

      Pflege

      4 bis 6 Mal pro Jahr mähen, Blumeninseln oder Randstreifen, wo möglich und sinnvoll, stehen lassen

      Schnitthöhe > 5 cm

      Entfernung des Schnittguts

      Problempflanzen punktuell und manuell entfernen

      1 bis 2 Mal pro Jahr lauben

      Ränder nach Bedarf chappieren

      Keine Bewässerung, Düngung und Pestizide

      Naturnahe Pflege

      Die floristische Zusammensetzung verschiedener Blumenrasen kann sich stark unterscheiden, da sich die Pflanzengesellschaften in Blumenrasen mit der Zeit lokalen Umständen wie Standort, Nutzungsdruck und Pflegeregime anpassen. Dadurch wird der Blumenrasen immer stabiler und widerstandsfähiger. Um diese Pflanzengemeinschaften zu erhalten, dürfen Blumenrasen nicht bewässert, gedüngt oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Ausserdem müssen alte Pflegeregime möglichst beibehalten werden. Dies ist vor allem bei Pächter- oder Nutzerwechseln zu beachten [1][15].

      Die wichtigste Pflegemassnahme eines Blumenrasens ist die regelmässige Mahd. Es darf maximal einmal im Monat gemäht werden. Je nach Nutzungsdruck und gestalterischen Ansprüchen kann das Mahdintervall vergrössert werden. Die Auswahl der Pflegemassnahmen für Blumenrasen erfolgt entsprechend der Definition des individuellen SOLL-Zustandes der Fläche.

      Massnahmen naturnahe Pflege im Jahresverlauf

      Für die Pflegenden vor Ort gilt es abzuwägen, wie stark das ökologische Potenzial ausgeschöpft werden kann, ohne die gestalterischen Ansprüche an den Blumenrasen zu beeinträchtigen. Ausserdem müssen bei der Wahl der Pflegemassnahmen der IST-Zustand und mögliche Probleme der Fläche berücksichtigt werden. Ein zu hoher Nährstoffgehalt des Bodens oder häufig wechselnde Pflegeregime können die Vielfalt der blühenden Pflanzen verringern und Gräser bevorzugen. In diesen Fällen kann eine kontinuierliche Pflege mit Abführen des Schnittguts den IST-Zustand verbessern.

      Planungs- und Umsetzungshilfen

      Der Profilkatalog naturnahe Pflege vermittelt Fachwissen und Handlungsanleitungen zu sämtlichen Profilen. Das Praxishandbuch ist eine kompakte Kurzfassung des Kataloges. Im Jahrespflegeplaner sind die Pflegemassnahmen für alle Profile in einer Excel-Tabelle zusammengestellt.

      Massnahmen im Detail

      Rückbau

      Wertvolle Pflanzen erhalten

      Wiederverwendung von Oberboden prüfen

      Massnahmen im Detail

      Bestimmungen

        Gesetzliche und planerische Grundlagen für die Planung, Realisierung, Pflege und Rückbau (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

        • Chemikalienverordnung (ChemV)
        • Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV)
        • Pflanzenschutzmittelverordnung (PSMV)

        Quellen

        1

        Ruckstuhl, M., Balmer, H., Wittmer, M., Fürst, M., Studhalter, S., Hose, S., & Fritzsche, M. (2010). Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen. Grün Stadt Zürich, Fachbereich Naturschutz.

        2

        Polak, P. (2014). Wiesen und Rasen – Von der Ansaat bis zur Pflege. Land Niederösterreich, Abt. Umwelt- und Energiewirtschaft.

        3

        Aufderheide, U. (2011). Rasen und Wiesen im naturnahen Garten: Neuanlage, Pflege, Gestaltungsideen. Pala-Verlag.

        4

        biodivers. (2019). Plattform Naturförderung. biodivers. biodivers.ch

        5

        Aufderheide, U. (2015). Schöne Wege im Naturgarten—Wege, Plätze und Einfahrten als Lebensräume—Planen, Bauen, Gestalten. pala-Verlag.

        6

        Gürke, J. (2014). Blumenwiesen anlegen und pflegen – Pro Natura Praxis (Nr. 21; Pro Natura Praxis). Pro Natura.

        7

        Lomer, W., & Voss, H. G. (2009). Der Gärtner 4. Garten- und Landschaftsbau (3. Aufl.). Verlag Eugen Ulmer.

        8

        Kumpfmüller, M., & Kals, E. (2009). Wege zur Natur in kommunalen Freiräumen—Handbuch. land-oberoesterreich.gv.at

        9

        Kumpfmüller, M., & Hloch, J. (2008). Wege zur Natur im Siedlungsraum—Grundlagenstudie. land-oberoesterreich.gv.at

        10

        Hilgenstock, F., Witt, R., Aufderheide, U., Dernbach, D., Koningen, H., Kumpfmüller, M., Lobst, S., Polak, P., & Brenneisen, S. (2017). Das Naturgartenbau-Buch: Nachhaltig denken, planen, bauen: Bd. 1 Band (1. Auflage). Naturgarten Verlag.

        11

        Florineth, F. (2012). Pflanzen statt Beton: Sichern und Gestalten mit Pflanzen (2. völlig überarbeitete Auflage). Patzer.

        12

        Brack, F., Hagenbuch, R., Wildhaber, T., Henle, C., & Sadlo, F. (2019). Mehr als Grün! – Praxismodule Naturnahe Pflege: Profilkatalog (Grün Stadt Zürich, Hrsg.). ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Forschungsgruppe Freiraummanagement (unveröffentlicht).

        13

        Burri, J. (o. J.). Anbauanleitung von Blumenrasen. wildblumenburri.ch

        14

        Gähler, M. (2018). Blumenwiesen und Blumenrasen. Naturgarten. naturimgarten.ch

        15

        Burri, J. (2011). Blumenrasen—In aller Leute Garten. gplus, 10/2011.

        16

        Igelzentrum. (2007). Igelfreundlicher-Garten (Ausgabe 3; S. 21 Seiten). igelzentrum.ch

        17

        Tschäppeler, S., & Haslinger, A. (2021). Natur braucht Stadt—Berner Praxishandbuch Biodiversität. Haupt Verlag.