In Kürze

Hochstaudenfluren dienen als Versteck- und Fortpflanzungsmöglichkeit, Lebensraum und als Nahrungsquelle für zahlreiche Tierarten.

Kurzdefinition

Hochstaudenfluren bestehen zum Grossteil aus hochwüchsigen, ausdauernden Pflanzen, welche im Winter einziehen und sich jedes Jahr von neuem bilden. Hochstaudenfluren sind besonders struktur- und artenreiche Lebensräume.

    Biodiversitätsförderung

    Wird das Profil wie auf dieser Seite beschrieben geplant, realisiert und gepflegt, weist es folgende Potenziale auf:

    hoch = • • • • •   tief = •   negativ = (•)

    Ökologische Vernetzung

    • • •

    Lebensraum für Wildtiere

    • • • •

    Lebensraum für Wildpflanzen

    • • • •

    Ökologischer Ausgleich

    • • • •

    Anforderungen

    Grundsätze

    Mit der Erfüllung dieser Grundsätze wird die Biodiversität gefördert.

    Saat- und Pflanzgut

    > 80% einheimisch und standortgerecht


    Möglichst autochthon


    Hohe Artenvielfalt


    0% invasive gebietsfremde Arten

    Pflege

    Möglichst gesamte Fläche gemäss Prinzipien naturnahe Pflege


    Alle 2 Jahre abschnittsweise mähen

    Nutzung

    Keine aktive Nutzung

    Standort

    Schattig bis halbschattig


    Nass bis feucht


    Nährstoffreich

    Erhöhte Anforderungen

    Mit der Erfüllung dieser erhöhten Anforderungen wird die Biodiversität noch stärker gefördert.

      Saat- und Pflanzgut

      100% einheimisch und standortgerecht


      Nur Wild- und keine Zuchtformen

      Mindestgrösse

      > 5 m2

      Aufbau

      Kleinstrukturen

      Pflege

      100% der Fläche gemäss Prinzipien naturnahe Pflege

      Faktenblatt

      Das Wichtigste ist in diesem Faktenblatt zusammengesellt.

      Definition

      Hochstaudenfluren bestehen zum Grossteil aus hochwüchsigen, ausdauernden Pflanzen, deren Blätter sich flächig, horizontal und oft über mehrere Ebenen ausbreiten.

      Meist handelt es sich dabei um zweikeimblättrige Stauden und Hochgräsern. Ihre Wuchshöhe beträgt 70 bis 160 cm [1]. Unter dem Blätterdach herrscht ein feuchtes, schattiges Mikroklima.

      Das vielfältige Blütenangebot wird von diversen Tierarten besucht.

      Bildquelle: Adobe Stock


      Durch ihren stufigen Aufbau finden sich in Hochstaudenfluren unterschiedliche Mikroklimata von schattig-feucht bis sonnig.

      Bildquelle: Adobe Stock


      Der Übergang zwischen Hochstaudenfluren und Staudenbepflanzungen ist fliessend. Hochstaudenfluren finden sich meist an feuchteren, nährstoffreicheren Standorten.

      Potenzial

      Wird das Profil wie auf dieser Seite beschrieben geplant, realisiert und gepflegt, weist es folgende Potenziale auf:

      hoch = • • • • •   tief = •   negativ = (•)

      Biodiversitätsförderung

      Ökologische Vernetzung

      • • •

      Lebensraum für Wildtiere

      • • • •

      Lebensraum für Wildpflanzen

      • • • •

      Ökologischer Ausgleich

      • • • •

      Siedlungsklima

      Hitzeminderung

      • • •

      Verbesserung Luftqualität

      • • •

      Versickerung und Wasserretention

      • • • •

      Bodenschutz und Versiegelung

      • • • •

      Nutzungsmöglichkeiten

      aktive Nutzung

      • •

      passive Nutzung und Aufenthaltsqualität

      • • • •

      Nutzung, Gestaltung und ökologisches Potenzial

      Typische Pflanzen

      Hochstaudenflure besiedeln waldfähige Standorte. Dies können Waldlichtungen, Waldschläge oder gestörte Hänge sein. Die typischen Pflanzenarten können von Tieren oder durch Wind weit verbreitet werden und haben eine lange Keimfähigkeit.

      Während die feuchte Hochstaudenflur natürlicherweise entlang von Bächen vorkommt oder feuchte Wälder säumt [1], können sie im urbanen Kontext auch in Sickermulden vorkommen. Im Siedlungsgebiet kommen neben den funktionalen Aspekten auch gestalterische dazu. Daher können in der Pflanzenverwendung auch Pflanzenarten von feuchten Krautsäumen integriert werden.

      Beispiele Pflanzenarten

      Dunkle Königskerze (Verbascum nigrum)

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      Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium)

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      Wilde Brustwurz (Angelica sylvestris)

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      Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica)

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      Vierflügeliges Johanniskraut (Hypericum tetrapterum)

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      Problempflanzen

      Typische Tiere

      Kleintiere wie Spitzmäuse oder Igel profitieren vom reichhaltigen Nahrungsangebot von Hochstaudenfluren. Für sie ist es ein wichtiger Teil des Lebensraumes.

      Die grossen Mengen organischen Materials, welche bei Hochstaudenfluren anfallen, fördert zersetzende Mikroorganismen sowie Ringelwürmer, Schnecken und Asseln. Auch Insekten, die sich von lebendem pflanzlichem Material ernähren (z.B. Blattkäfer) kommen in Hochstaudenfluren häufig vor [1].

      Auch als Überwinterungsort sind Hochstaudenfluren von bedeutendem Wert. So legen Insekten ihre Eier in hohle Pflanzenstängel, wo diese bis zum Schlüpfen geschützt den Winter überstehen.

      Beispiele Tierarten

      C-Falter (Polygonia c-album)

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      Echter Widderbock (Clytus arietis)

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      Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata)

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      Standort

      Hochstaudenfluren bevorzugen nährstoffreiche, gut bewässerte Böden [2] und ein frischfeuchtes Mikroklima. Verschiedene hochwachsende Stauden sind schattentolerant.

      Hochstaudenfluren besiedeln waldfähige Standorte [1]. Der ideale Standort im Siedlungsgebiet ist im Schatten in Bereichen von Gebäuden (halbschattig bis schattig).

      Zielbild

      Der Boden von Hochstaudenfluren ist nährstoffreich, enthält organisches Material, ist gut mit Wasser versorgt und kann kurzzeitig trocken fallen. Die Pflanzen sind meist zweikeimblättrig. Eine dichte Blätterschicht verhindert, dass Licht auf den Boden fällt.

      Auch ohne menschliche Einflüsse bleibt die Vegetationszusammensetzung über einen längeren Zeitraum gleich [1]. Es kann sich eine hochwüchsig (Wuchshöhe 1 bis 2 m), dichte und blütenreiche Vegetation entwickeln.

      Einige typische Pflanzenarten wie der Moor-Geissbart (Filipendula ulmaria), der Gelber Fingerhut (Digitalis lutea) und die Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia) haben einen späten Blütezeitpunkt im Jahr. Die Pflanzen der verschiedenen Ausprägungen von Hochstaudenfluren können von April bis Oktober blühen.

      Beispiele

      Sammlung von Beispielen, die im Siedlungsgebiet von Schweizer Gemeinden und Städten angelegt wurden.

      Von Farnen dominierte Hochstaudenflur in einer Parkanlage in Zürich

      Bildquelle: Daniela Kienzler


      Hochstauden am Strassenrand in Zürich

      Bildquelle: Daniela Kienzler


      Planung

      Boden- und Standortanalyse für Standortwahl durchführen, natürliche Vernässung integrieren

      Ausreichende Wasserversorgung der Böden sicherstellen

      Vorhandene Materialien für Bodenaufbau verwenden

      Einheimisches, regionaltypisches, standortgerechtes Saat- und Pflanzgut verwenden und hohe Pflanzenvielfalt anstreben

      Kleinstrukturen vorsehen

      Zukünftige Pflege in Planung miteinbeziehen

      Massnahmen im Detail

      Realisierung

      Boden vor Ansaat nicht mehr als 3 cm tief bearbeiten

      Nach Bodenvorbereitung Boden > 4 Wochen absetzten lassen und vor Ansaat aufkommende Pflanzen entfernen

      Feinkürmeliges Saatbeet vorbereiten

      Hochstaudenflur Saat- und Pflanzgut aus einheimischen und standortgerechten Pflanzenarten verwenden

      Saat- und Pflanzgut über regionale Betriebe beziehen

      Fachgerechte Ansaat im Herbst

      Keine Bewässerung und Düngung nach Aussaat

      Säuberungsschnitte im Aussatjahr

      Massnahmen im Detail

      Pflege

      Sichtkontrollen durchführen, invasive gebietsfremde Pflanzen und Gehölze entfernen

      Alle zwei Jahre abschnittsweise, zwischen November und Januar, mit einem Balkenmäher mähen

      Unterhalten und Ergänzen von Kleinstrukturen

      Kein Pestizideinsatz

      Naturnahe Pflege

      Hochstaudenfluren sind sehr naturnahe Vegetationsgemeinschaften. Um ihren natürlichen Zustand zu erhalten, ist nur eine extensive Pflege nötig.

      Die wichtigste Massnahme ist das Entfernen von invasiven gebietsfremden Pflanzen, Gehölzen und anderen problematischen Pflanzen.

      Aufgrund der schattigen Bedingungen am Boden können sich Gehölze in Hochstaudenfluren oft nicht durchsetzen. Je nach Anforderungen bezüglich Gestaltung und Pflege können einige Arten der Hochstaudenflur gezielt gefördert, nachgepflanzt oder unterdrückt werden, wodurch sich der Pflegeaufwand erhöht.

      Um das ökologische Potential auszuschöpfen, werden nur die unbedingt nötigen Pflegemassnahmen ergriffen. Hierfür werden Hochstaudenfluren gestaffelt nur jedes zweite Jahr gemäht, um die Fauna möglichst zu schonen. Das Schnittgut wird abgeführt

      Massnahmen naturnahe Pflege im Jahresverlauf

      Hochstaudenfluren dürfen nicht gedüngt oder gewässert werden. Es dürfen ebenfalls keine Pestizide ausgebracht werden.

      Die Auswahl der Pflegemassnahmen für Hochstaudenfluren erfolgt entsprechend der Definition des individuellen SOLL-Zustandes der Bepflanzung. Für die Pflegenden vor Ort gilt es abzuwägen, ob und welche Pflegemassnahmen nötig sind, um die gestalterischen Ansprüche zu erfüllen. Ausserdem müssen bei der Wahl der Pflegemassnahmen der IST-Zustand und mögliche Probleme der Hochstaudenflur, wie z.B. das Vorkommen invasiver gebietsfremder Arten, berücksichtigt werden.

      Planungs- und Umsetzungshilfen

      Der Profilkatalog naturnahe Pflege vermittelt Fachwissen und Handlungsanleitungen zu sämtlichen Profilen. Das Praxishandbuch ist eine kompakte Kurzfassung des Kataloges. Im Jahrespflegeplaner sind die Pflegemassnahmen für alle Profile in einer Excel-Tabelle zusammengestellt.

      Massnahmen im Detail

      Rückbau

      Wertvolle Pflanzen erhalten

      Sodenversetzung prüfen

      Wiederverwendung von Oberboden prüfen

      Wiederverwendung von Kleinstrukturen prüfen

      Massnahmen im Detail

      Bestimmungen

        Gesetzliche und planerische Grundlagen für die Planung, Realisierung, Pflege und Rückbau (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

        • Chemikalienverordnung (ChemV)
        • Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV)
        • Pflanzenschutzmittelverordnung (PSMV)
        • Bundesgesetz über den Schutz der Gwässer (GSchG)

        Quellen

        1

        Delarez, R., Gonseth, Y., Eggenberg, S., & Vust, M. (2015). Lebensräume der Schweiz. Ökologie-Gefährdung- Kennarten. (3., vollständig überarbeitete Auflage). hep verlag ag.

        2

        Kumpfmüller, M., & Hloch, J. (2008). Wege zur Natur im Siedlungsraum—Grundlagenstudie. https://land-oberoesterreich.gv.at/

        3

        Bundesamt für Umwelt BAFU. (2018). Hitze in Städten: Grundlage für eine klimaangepasste Siedlungsentwicklung (Umwelt-Wissen, Klima, S. 108 Seiten). BAFU.

        4

        Richard, P. (2018). Der gestaltete Naturgarten. Wildromantische Gärten planen und bauen. Haupt Verlag.

        5

        Hilgenstock, F., Witt, R., Aufderheide, U., Dernbach, D., Koningen, H., Kumpfmüller, M., Lobst, S., Polak, P., & Brenneisen, S. (2017). Das Naturgartenbau-Buch: Nachhaltig denken, planen, bauen: Bd. 1 Band (1. Auflage). Naturgarten Verlag.

        6

        Meyer, A., Dušej, G., Bütler, M., Monney, J.-C., Billing, H., Mermod, M., Jucker, K., & Bovey, M. (2011). Praxismerkblatt Kleinstrukturen Eiablageplätze für Ringelnattern und andere Schlangen. karch Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz.

        7

        Die Wildstaudengärtnerei AG. (o. J.). Hochstaudenflur.

        8

        Bouillon, J. (Hrsg.). (2013). Handbuch der Staudenverwendung: Aus dem Arbeitskreis Pflanzenverwendung im Bund deutscher Staudengärtner Empfehlungen für Planung, Anlage und Management von Staudenpflanzungen. Eugen Ulmer KG.

        9

        Kumpfmüller, M., & Kals, E. (2009). Wege zur Natur in kommunalen Freiräumen—Handbuch. https://land-oberoesterreich.gv.at/

        10

        BAFU. (2010). Ingenieurbiologische Bauweisen im naturnahen Wasserbau (Umwelt-Wissen, S. 59 Seiten) [Leitfaden]. Bundesamt für Umwelt (BAFU). https://bafu.admin.ch/