Chaussierung Silhouette

In Kürze

Chaussierungen sind teildurchlässige Beläge und bieten – je nach Nutzungsintensität – Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Kurzdefinition

Die Chaussierung ist eine Wegebauweise, bei der ein wassergebundener Deckbelag aus bindigem Kiesmaterial verwendet wird. Die Stabilität wird ausschliesslich durch den im Material enthaltenen Kalk, beziehungsweise Ton und nicht durch zusätzliche Bindemittel wie Bitumen oder Teer gewährleistet.

    Biodiversitätsförderung

    Wird das Profil wie auf dieser Seite beschrieben geplant, realisiert und gepflegt, weist es folgende Potenziale auf:

    hoch = • • • • •   tief = •   negativ = (•)

    Ökologische Vernetzung

    • •

    Lebensraum für Wildtiere

    • •

    Lebensraum für Wildpflanzen


    Ökologischer Ausgleich

    • •

    Anforderungen

    Grundsätze

    Mit der Erfüllung dieser Grundsätze wird die Biodiversität dieses Profils gefördert.

    Materialisierung

    Regionaler Bezug

    Kein Zusatz von Bindemitteln

    Aufbau

    1-, 2- oder 3-Schicht-Bauweise je nach gestalterischer Anforderung und Nutzung

    Keine Vliese oder Folien

    Pflege

    Möglichst gesamte Fläche gemäss Prinzipien naturnahe Pflege


    Kein Einsatz von Herbiziden

    Nutzung

    Mittlere Nutzungsintensität

    Erhöhte Anforderungen

    Mit der Erfüllung dieser erhöhten Anforderungen wird die Biodiversität noch stärker gefördert.

      Aufbau

      Begrünung und Kleinstrukturen in Randbereichen

      Pflege

      Gesamte Fläche gemäss Prinzipien naturnahe Pflege


      Bewuchs tolerieren

      Definition

      Die Chaussierung (auch wassergebundene Decke) bezeichnet eine Wegebauweise mit einem wassergebundenen Deckbelag aus bindigem Kiesmaterial, welcher mit Sand, Splitt oder Kies abgestreut werden kann. Chaussierungen werden ohne Zusatz von Bindemitteln wie Bitumen oder Teer eingebaut und nur vom enthaltenen Kalk (und Ton) zusammengehalten. Die Tragfähigkeit und Befahrbarkeit hängen von der gewählten Bauweise ab; entsprechend eignen sie sich für Fuss- oder Fahrradwege und gelegentliche Nutzung von Fahrzeugen. [1][2]

      Im Siedlungsgebiet dienen Chaussierungen als Belag für Wege und Plätze.


      Eine intakte Chaussierung ist eben, hat ein leichtes Gefälle zur Entwässerung und ihre oberste Schicht ist einheitlich in Körnung und Material.


      Stark genutzte Chaussierungen sind meist vegetationsfrei, während Rand- und Übergangsbereiche Raum für Begrünung bieten.


      Eine intakte Chaussierung ist eben, hat ein leichtes Gefälle zur Entwässerung und ihre oberste Schicht ist einheitlich in Körnung und Material.

      Unter diesem Profil werden die ein- bis dreischichtigen Bauweisen behandelt.

      Von der Ruderalvegetation ist eine Chaussierung vor allem durch die höhere Nutzungsintensität, den dadurch geringeren Bewuchs sowie die Verwendung feinkörnigerer Materialien zu unterscheiden. [1] Der Unterschied zum Schotterrasen besteht ebenfalls im geringeren oder nicht vorhandenen Bewuchs, in geringerer Wasserdurchlässigkeit sowie in unterschiedlicher Bauweise und Materialisierung.

      Potenzial

      Wird das Profil wie auf dieser Seite beschrieben geplant, realisiert und gepflegt, weist es folgende Potenziale auf:

      hoch = • • • • •   tief = •   negativ = (•)

      Biodiversitätsförderung

      Ökologische Vernetzung

      • •

      Lebensraum für Wildtiere

      • •

      Lebensraum für Wildpflanzen


      Ökologischer Ausgleich

      • •

      Siedlungsklima

      Hitzeminderung


      Verbesserung Luftqualität


      Versickerung und Wasserretention

      • •

      Bodenschutz und Versiegelung

      • • •

      Nutzungsmöglichkeiten

      aktive Nutzung

      • • •

      passive Nutzung und Aufenthaltsqualität

      • • •

      Nutzung, Gestaltung und ökologisches Potenzial

      Im Siedlungsraum sind Chaussierungen als Oberfläche von Fuss- oder Radwegen, Plätzen, Abstellplätzen, Parkplätzen und Zufahrten anzutreffen. Sie sind ökologisch wertvoller als versiegelte Oberflächen, da sie das Versickern von Regenwasser, Grundwasserbildung und den Gasaustausch zwischen Boden und Atmosphäre sowie Vegetationsbewuchs (Spontanvegetation) mehr oder weniger zulassen.

      Je nach Nutzungs- und Pflegeintensität kommen auf Chaussierungen unterschiedlich viele Pflanzen und Tiere vor. Die Nutzungsintensität ist je nach Standort unterschiedlich. An weniger genutzten Orten, wie zum Beispiel in Randbereichen oder unter Sitzbänken, kann sich Spontanvegetation ansiedeln. Diese Magerstandorte sind ökologisch bedeutend und beheimaten meist eine Mischung aus Pionierarten und trittfesten Pflanzen. Kleinlebewesen wie Ameisen und Sandlaufkäfer leben in Chaussierungen. Auch für wechselwarme Tiere wie Eidechsen bilden sie einen Teillebensraum, in dem sie sich aufwärmen können.

      An Orten intensiver Nutzung etablieren sich auf Chaussierungen kaum Wildpflanzen. In weniger genutzten Bereichen sind Wildpflanzen aus gestalterischer Sicht oft nicht erwünscht, was wiederum zu aufwendigen Pflegemassnahmen führt. Wenn Bewuchs aus gestalterischer Perspektive toleriert werden kann, verringern sich der Pflegeaufwand und der Ressourcenverbrauch, während sich die Artenvielfalt erhöht. Auf die Nutzbarkeit der Fläche hat dies nur einen geringen Einfluss.

      Für Flächen mit sehr intensiver oder sehr geringer Nutzung sind Chaussierungen nur bedingt geeignet. Bei intensiver Nutzung kommt es vor allem zu Schäden an der Deckschicht, welche regelmässig ausgebessert werden muss. Bei zu geringer Nutzung wachsen vermehrt Wildpflanzen auf der Chaussierung. In diesem Fall kann eine Überführung zu Schotterrasen oder zu einer Ruderalvegetation in Betracht gezogen werden. [1]

      Typische Pflanzen

      Der Grad des Pflanzenbewuchses ist abhängig von der Nutzungsintensität. Stark genutzte chaussierte Flächen sind meist frei von Bewuchs. Währenddessen bieten insbesondere Randbereiche und Übergangsflächen zur angrenzenden Vegetation Lebensraum für Spontanvegetation, Staudenpflanzungen oder Ansaaten.

      Wird ein Bewuchs auf Wegen und Plätzen zugelassen, etablieren sich typischerweise niederliegende Pflanzen, welche sich nahe am Boden verzweigen (Blattrosetten, Ausläufer etc.) und zu rascher Regeneration fähig sind. Sie weichen durch ihren Wuchs einer mechanischen Zerstörung aus und/oder können diese schnell kompensieren. [3]

      Beispiele Pflanzenarten

      Die nachfolgende Auflistung ist als eine Auswahl von Beispielen zu verstehen.

      Gräser

      Einjähriges Rispengras (Poa annua), Rotschwingel (Festuca rubra)

      Stauden

      Breit-Wegerich (Plantago major), Vogel-Knöterich (Polygonum aviculare aggr.)

      Pflanzen für Randbereich

      Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Hopfenklee (Medicago lupulina), Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium), Wegwarte (Cichorium intybus), Gemeiner Natterkopf (Echium vulgare)

      Unter infoflora.ch sind sämtliche Arten dieses Profils bzw. Lebensraumes zu finden.

      Einjähriges Rispengras

      (Poa annua)

      Bildquelle: Adobe Stock


      Wiesen-Schafgarbe

      (Achillea millefolium)

      Bildquelle: Adobe Stock


      Gemeiner Natterkopf

      (Echium vulgare)

      Bildquelle: Adobe Stock


      Gemeine Wegwarte

      (Cichorium intybus)

      Bildquelle: Adobe Stock


      Gewöhnlicher Hornklee

      (Lotus corniculatus)

      Bildquelle: Adobe Stock


      Problempflanzen

      In diesem Profil sind insbesondere folgende Problempflanzen zu erwarten:

      Invasive gebietsfremde Arten

      Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Götterbaum (Ailanthus altissima), Sommerflieder (Buddleja davidii), Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens), Kanadisches Berufskraut (Conyza canadensis, noch nicht offiziell als invasiv eingestuft aber verhält sich auf ruderalen Standorten invasiv)

      Typische Tiere

      Von unversiegelten Flächen profitieren in erster Linie zahlreiche Insekten, von denen sich wiederum Vögel und Kleinsäugetiere ernähren. Biodivers gestaltete Bereiche mit Bewuchs und Kleinstrukturen bieten Lebensräume für zahlreiche weitere Tierarten.

      Beispiele Tierarten

      Diese Auflistung ist als eine Auswahl von Beispielen zu verstehen. Mit der naturnahen Gestaltung und Pflege von Chaussierungen können zahlreiche weitere Arten(‑gruppen) gefördert werden.

      Vögel

      Bachstelze (Motacilla alba), Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), Haussperling (Passer domesticus)

      Schmetterlinge

      Hauhechelbläuling (Polyommatus icarus)

      Käfer

      Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris), Metallfarbener Schnelllaufkäfer (Harpalus affinis)

      Wildbienen

      Gemeine Furchenbiene (Lasioglossum calceatum), Reseda-Maskenbiene (Hylaeus signatus)

      Heuschrecken

      Langfühler-Dornschrecke (Tetrix tenuicornis), Rote Keulenschrecke (Gomphocerippus rufus)

      Reptilien

      Eidechsen

      Bachstelze

      (Motacilla alba)

      Bildquelle: Adobe Stock


      Hauhechelbläuling

      (Polyommatus icarus)

      Bildquelle: Adobe Stock


      Reseda-Maskenbiene

      (Hylaeus signatus)

      Bildquelle: Adobe Stock

      Standort

      Im Siedlungsgebiet werden Chaussierungen als Oberfläche von Fuss- oder Radwegen, Plätzen, Parkanlagen, Abstellplätzen, Parkplätzen und Zufahrten verwendet. Chaussierungen können grundsätzlich an jedem Standort errichtet werden. Dafür wird der Unterboden technisch bearbeitet und darauf, je nach Bauweise, wird eine oder werden mehrere Materialschichten aufgetragen.

      Der Unterbau entspricht dem herkömmlichen Wegebau. Als Oberbau wird ein bindiges, kalkhaltiges Material verwendet, das bei der Verwendung von Mergel auch tonhaltig ist, und es wird oftmals Millimeter bis wenige Zentimeter mit Rundkies oder Splitt abgestreut. Diese oberste Schicht beeinflusst insbesondere die bautechnischen und ästhetischen Eigenschaften. Sie ist als Nutzungs- und Verschleissschicht der am stärksten beanspruchte Teil des Bauwerks.

      Die Entwässerung ist bei Chaussierungen besonders wichtig. Ihr Gefälle sollte zwischen 1 und 6 % liegen, damit Regenwasser abfliessen kann, ohne dabei Schäden zu verursachen. Bei Bedarf sollten Chaussierungen über linienförmige Entwässerungseinrichtungen verfügen. [1][2]

      Zielbild

      Die Chaussierung ist eben, lässt Regenwasser zum Teil versickern und unterstützt damit den natürlichen Wasserhaushalt und die Hitzeminderung. Die Deckschicht besteht aus hellen Materialien, um eine zu starke Erhitzung zu vermeiden. Beschattung durch Grünstrukturen fördert den Effekt der Hitzeminderung und verbessert damit die Aufenthaltsqualität.

      Wenn die unversiegelte Fläche direkt an einen anderen naturnahen Lebensraum grenzt, wird sie Teil eines Lebensraummosaiks, das vielen Arten zugutekommt. Ohne starre Randeinfassungen sind die Flächen Tieren und Pflanzen zugänglich und fördern die Vernetzung weiterer Flächen und Lebensräume.

      Während an den Rändern die Entwicklung von Pflanzen mit grösserer Wuchshöhe ermöglicht wird, sind stark frequentierte Bereiche entweder nicht oder nur minimal bewachsen.

      Im Randbereich und an anderen ruhigen Stellen bereichern zudem Kleinstrukturen die Biodiversität auf der Chaussierung. [3]

      Beispiele

      Sammlung von Beispielen, die im Siedlungsgebiet von Schweizer Gemeinden und Städten angelegt wurden.

      Chaussierung auf Platz in Oberrieden, ZH

      Bildquelle: Katharina Nüesch


      Chaussierung als Wegebelag, Erlenbach und Küsnacht, ZH

      Bildquelle: Katharina Nüesch


      Unterschiedlich intensiver Bewuchs, je nach Nutzungsintensität. Rümlang ZH und Neuchatel.

      Bildquelle: Katharina Nüesch, Ville de Neuchâtel


      Planung

      • Bestehende Flächen entsiegeln und aufwerten

      • Übergang zu angrenzenden Lebensräumen vorsehen

      • Entwässerung berücksichtigen

      • Einheimische und standortgerechte Begrünung in Randbereichen vorsehen

      • Bauweise nach Gestaltung, Nutzung und Belastung auswählen

      • Gewässerschutz beachten

      • Regionales Material wählen

      • Kleinstrukturen vorsehen

      Massnahmen im Detail

      Flächen entsiegeln und aufwerten

      Versiegelte Flächen können entsiegelt und durch eine Chaussierung ersetzt werden. Eine günstige Gelegenheit, um eine versiegelte Fläche zu verkleinern oder durch einen naturnahen Belag zu ersetzen, ist, wenn ein sanierungsbedürftiger Belag erneuert werden muss oder im Rahmen von Um- und Neubauten. [3]

      Soll eine Pionierfläche angelegt werden, die nicht befestigt werden muss, da sie nicht befahren oder begangen wird, ist statt einer Chaussierung die Anlage einer Ruderalvegetation zu prüfen.

      Wird die geplante Fläche nur gelegentlich befahren oder ist die Nutzung wenig intensiv, kann alternativ die Erstellung eines Schotterrasens in Betracht gezogen werden. Der Schotterrasen ist ebenfalls begeh- und zeitweise befahrbar, ist aber sowohl für die Biodiversität als auch für die Wasserversickerung wertvoller einzustufen.

      Eine bestehende Chaussierung kann durch Anpassung der Pflege in einen artenreicheren Schotterrasen oder gar eine Ruderalvegetation umgewandelt werden.

      Nutzung, Funktion und Dimensionierung klären

      Chaussierungen sind vorwiegend für Fussgänger- und Fahrradnutzung vorgesehen. Bei entsprechender Bauweise (siehe Bauweise ermitteln) ist gelegentliche Nutzung auch mit schwereren Fahrzeugen (z.B. Auto) möglich. [2]
      Um zu beurteilen, inwiefern und in welcher Dimension und Grösse eine Chaussierung angelegt werden soll, sind die vorgesehenen Nutzungen und Funktionen zu klären und mit den Potenzialen von Chaussierungen abzugleichen.

      Ökologie

      Lebensraum für Pflanzen und Tiere, wenn Bewuchs zugelassen

      Integration von Kleinstrukturen

      Beitrag zu Versickerung und Wasserretention

      Beitrag zu Bodenschutz und Entsiegelung

      Gestaltung

      Wege, Plätze


      Oberflächengestaltung mit Struktur und Farbe

      Vegetation in Randbereichen

      Fliessende Übergänge zu angrenzenden naturnahen Flächen


      Nutzung

      Fussgänger-/Fahrradnutzung, gelegentlich Nutzung von Fahrzeugen

      Aktive Nutzung temporär möglich

      Bauweise ermitteln

      Beim Aufbau einer Chaussierung wird zwischen 1‑, 2‑ und 3‑Schicht-Bauweise unterschieden. Die Anforderungen an Baugrund und Tragschichten sind bei allen drei Bauweisen vergleichbar.

      Die Auswahl des Aufbaus erfolgt vorwiegend auf Grund der gestalterischen Anforderungen an die Oberfläche, wie Struktur, Ebenheit und Farbe. Weiter hat die Auswahl des Aufbaus Einfluss auf die Wasserkapazität und die mögliche Nutzung.

      3-Schicht-Bauweise


      2-Schicht-Bauweise


      3-Schicht-Bauweise


      3‑Schicht-Bauweise (mit Tragschicht, dynamischer Schicht und Deckschicht) [2]: für höchste Anforderungen bezüglich der Gestaltung und Ebenheit

      • Für repräsentative Plätze und Fusswege in Parkanlagen
      • Höchst mögliche Ebenheit
      • Feine Körnung in der Deckschicht realisierbar
      • Hohe Wasserspeicherkapazität, wodurch die Staubbildung reduziert werden kann.
      • Nicht oder nur bedingt für das Befahren mit Autos geeignet
      • Für Fahrradverkehr geeignet
      • Durch die feine Körnung und die Ebenheit wird der höchste Komfort für Fussgänger erreicht.


      2‑Schicht-Bauweise (Tragschicht und Deckschicht) [2]: für hohe Anforderungen bezüglich Gestaltung

      • Bildet optisch eine vergleichbare Wegeoberfläche wie die 3‑Schicht-Bauweise.
      • weist gute, aber geringere Qualität bezüglich der Ebenheit auf als die 3‑Schicht-Bauweise
      • weist geringere Wasserspeicherkapazität als die 3‑Schicht-Bauweise auf
      • Feine Körnung in der Deckschicht realisierbar, jedoch weniger fein als bei der 3‑Schicht-Bauweise.
      • Nur bedingt für das Befahren mit Autos geeignet.
      • Für Fahrradverkehr geeignet


      1‑Schicht-Bauweise (abgestreute Tragschicht) [2]: preiswerte Einfachbauweise bei geringer gestalterischer Anforderung

      • Kommt zur Anwendung bei geringen gestalterischen Anforderungen (z. B. wenn durch erwartete Nutzung die höheren Ansprüche an die Deckschicht bei 2- oder 3-Schicht-Bauweise nicht dauerhaft aufrechterhalten werden können).
      • Keine feine Körnung in der Deckschicht realisierbar
      • Oberfläche wird zur Gestaltung nur lose abgestreut
      • geringere Qualität bezüglich der Ebenheit als 2‑ und 3‑Schicht-Bauweise
      • Für das unregelmässige Befahren von Autos geeignet

      Mindestdicken des gesamten Oberbaus [2]:

      • Untergeordnete Geh- und Radwege: ≥ 12 cm
      • Geh- und Radwege innerhalb geschlossener Ortschaften: ≥ 20 cm
      • Befahren mit Autos: ≥ 40 cm

      Die Schichtdicken richten sich nach der erwarteten Belastung, dem verwendeten Material sowie dem Untergrund. [4]

      Bei ungünstigen klimatischen Bedingungen und Wasserverhältnissen, wie beispielsweise Schattenbereichen, Nordhängen oder dem Vorhandensein von Schichtenwasser, sind grössere Schichtdicken notwendig [2].

      Chaussierungen sind im gefrorenen Zustand belastbar. Dennoch kann im Falle von hohem Grundwasserstand der Einbau einer frostunempfindlichen Schicht aus Kies oder Sand mit geringer Wasserspeicherkapazität sinnvoll sein. [2]

      Material auswählen

      Chaussierungen bestehen in der Regel aus einem korngestuften Mineralgemisch aus harten, verwitterungsbeständigen Mineralstoffen.

      Wichtig ist ein ausreichender Anteil an bindigen und kalkhaltigen Bestandteilen. Sie wirken wie ein Bindemittel und verkleben die grösseren Mineralkörner der Deckschicht und sorgen für einen möglichst staubfreien und glatten Deckenabschluss. Zudem ermöglichen sie einen geringfügigen kapillaren Anschluss an die unteren Schichten, was eine Austrocknung der Chaussierung verhindert. Vliese und Folien werden nicht verwendet. [5]

      Das nötige Material ist möglichst regional zu beziehen. Der Einsatz von Recyclingmaterialien ist möglich, sofern dieses den umwelttechnischen, qualitativen und technischen Anforderungen entspricht. Siehe dazu auch: Richtlinie für die Verwertung mineralischer Bauabfälle


      Die Auswahl des Materials richtet sich in der Regel nach: [4]

      • Belastung
      • Pflegeaufwand
      • Gestalterische Aspekte
      • Örtliches Mineralangebot
      • Finanzielle Mittel

      Tragschicht ≥ 12 cm

      Diese Schicht bietet Stabilität und trägt zur Lastverteilung bei. Sie dient auch der Entwässerung.


      z.B. Splitt, Schotter, Kies(-sand)


      (0/22) 0/32 0/45 mm [2]

      Dynamische Schicht 6 – 8 cm

      Diese Schicht dient als Übergang zwischen der Tragschicht und der Deckschicht und stellt eine gleichmässige und stabile Basis für die Deckschicht dar.


      z.B. Splitt, Kies


      0/11 0/16 (0/22 mm) [2]

      Deckschicht 4 – 6 cm (oder Abstreuung bei 1-Schicht-Bauweise)

      Die Deckschicht ist die sichtbare Oberfläche des Belags und bietet die gewünschte Ästhetik und Funktion.


      z.B. Brechsand, Rundkies, Mergel, Splitt


      0/5 0/8 0/11 0/16 mm [2]

      (Keine) Einfassung planen

      Chaussierungen können mit einer Einfassung versehen werden. Diese verhindert das Einwachsen von Vegetation über Ausläufer. Das Absamen der angrenzenden Vegetation lässt sich durch Einfassungen jedoch nicht verhindern.

      Bei Flächen, bei welchen im Randbereich ein Bewuchs zugelassen werden kann oder sogar erwünscht ist, sollte dementsprechend auf eine Einfassung verzichtet werden. Durch den Bewuchs entsteht ein sanfter Übergang zu anliegenden Flächen.

      Ohne Randeinfassung entsteht ein sanfter Übergang zwischen der angrenzenden Vegetation und der Chaussierung.

      Bildquelle: Katharina Nüesch

      Wenn dennoch eine optische und funktionale Trennung notwendig ist, lässt sich am Rand etwa ein Bankett aus wassergebundenem Kalkschotter erstellen – sofern keine anderen Vorgaben gelten – das an der Oberseite etwa 30 cm Breite aufweist. Mit der Zeit wird sich dieses Bankett von selbst begrünen. [2][3]

      Beim Verzicht auf eine Einfassung ist jede Schicht des Oberbaus mindestens 10 cm breiter auszubilden als die darüberliegende Schicht, um Ausbrüche (seitliches Ablösen) zu verhindern. [2] Weitere Hinweise zur Erstellung von Randabschlüssen sind in folgendem Dokument aufgeführt: Randabschlüsse im GaLa‑Bau

      Entwässerung berücksichtigen

      Wassergebundene Flächen haben einen mittleren Abflussbeiwert von 0.5 bis 0.7 und sind damit nur teildurchlässig. Die Oberflächenentwässerung ist entscheidend für die Haltbarkeit der Chaussierung.

      Dabei ist Folgendes zu beachten: [2][6][7]

      • Zufluss von Oberflächenwasser aus angrenzenden Flächen ist möglichst auszuschliessen. [2]
      • Abflusswirksame Neigung sollte zwischen 1 und 6 %, idealerweise bei 2.5%, liegen. [2]
      • Weitere, detaillierte Informationen zu Längs- und Querneigung sind in der VSS‑Norm SN 640 742 zu finden.
      • Bei Wegen wird ein Sattel- oder Pultdachgefälle bevorzugt. [2]
      • Lange Laufwege des Wassers sind zu vermeiden, da dies zu Erosion führen kann. Ggf. Entwässerungsrinnen oder Steinschwellen vorsehen. [5]
      • Decke kann nur entwässern, wenn Oberkante über dem Randanschluss liegt: 1 cm Überbauung nach dem Walzen ist sinnvoll. [8]
      • Durch die Versickerung des Wassers in einem Feuchtgraben kann ein ökologisch wertvolles Feuchtbiotop geschaffen werden.

      Begrünung planen

      Der Begrünungsgrad hängt von der Nutzungsintensität ab. Intensiv genutzte chaussierte Wege und Plätze sind in der Regel frei von Bewuchs. Randbereiche und Übergangsflächen zur angrenzenden Vegetation bieten jedoch Lebensraum für Spontanvegetation sowie Ansaaten oder Bepflanzungen. [3][10]

      Grundsätzlich bietet die Ansiedlung von Spontanvegetation viele Vorteile für die Biodiversität und sollte zugunsten ebendieser wo immer möglich toleriert werden. Sie hat den Vorteil, dass das von Wind oder Vögeln eingetragene Saatgut aus der Umgebung stammt (lokales Saatgut), sich ökologisch wertvolle Pflanzengesellschaften mit seltenen Arten entwickeln können und keine Kosten fürs Saatgut anfallen. Nachteile der Selbstbegrünung sind, dass sich unerwünschte Problempflanzen und invasive gebietsfremde Arten leichter ansiedeln können. [11]

      Kleinstrukturen vorsehen

      Die «Markierung» von Parkplatz-Stellflächen kann durch natürliche Elemente und Kleinstrukturen (z.B. grosse Steine, pflanzliche Trenn- und Leitlinien, Totholzstämme) erfolgen. [1]

      Auch in den Randbereichen können die unversiegelten Flächen mit Kleinstrukturen ergänzt werden, welche kostbare Lebensräume für Tiere bieten und deren unterschiedliche Bedürfnisse (Nahrung, Versteck, Brutplatz etc.) abdecken. [3]

      Kleinstrukturen in Randbereichen von Chaussierungen und anderen Belägen, Herblingerbach Schaffhausen


      Kleinstrukturen in Randbereichen von Chaussierungen und anderen Belägen, Herblingerbach Schaffhausen


      Kosten schätzen

      Erstellungskosten

      Die Erstellungskosten sind abhängig von Grösse und Topografie der Fläche, der beabsichtigten Nutzung und den Personal- und Materialkosten, Pauschalen für Anfahrt und Baustellenvorbereitung und -installation sowie Kosten für Maschinen, Materialabtransport und Deponiekosten. Für eine Kostenschätzung sind Offerten bei verschiedenen Unternehmen einzuholen.

      Betriebs- und Unterhaltskosten
      Die langfristigen Pflegekosten können basierend auf der Planung zum Beispiel mit den Kennzahlen der VSSG kalkuliert werden.

      Realisierung

      • Technische Anforderungen berücksichtigen

      • Baustoffgemische in feuchtem Zustand einbauen

      • Planum nicht beeinträchtigen

      • Zwischenlagerung des Materials vermeiden

      • Bei geforderter Verdichtung der Deckschicht statisch mit Walze verdichten

      • Erstellungspflege beachten

      Massnahmen im Detail

      Technische Anforderungen berücksichtigen

      Beim Bau von Chaussierungen sind verschiedene technische Anforderungen, z.B. an Tragfähigkeit, Wasserdurchlässigkeit und Ebenheit, zu berücksichtigen.

      Diese Anforderungen sind in den VSS‑Normen zu Verkehrsflächen mit ungebundenem Oberbau und in dem FLL‑Fachbericht zu Planung, Bau und Instandhaltung von wassergebundenen Wegen beschrieben. Die im FLL‑Fachbericht beschriebenen Anforderungen sind auf dieser Seite in den einzelnen Realisierungsmassnahmen zusammengefasst. Weiter ist die Norm SIA 318 (Garten- und Landschaftsbau) zu berücksichtigen.

      Die Kontrollmethoden zur Überprüfung von Tragfähigkeit und Verdichtung sind in der VSS‑Norm 70311 geregelt.

      Vorgaben zum hindernisfreien Wegebau regelt die Schweizer Norm SN 640075 (Fussgängerverkehr – hindernisfreier Verkehrsraum).

      Angaben zum nötigen Gefälle sind im Kapitel Entwässerung berücksichtigen aufgeführt.

      Untergrund vorbereiten

      Zur Bereitung des Untergrunds werden der vorhandene Bewuchs sowie der Oberboden abgetragen.

      Der Untergrund ist so zu verdichten, dass eine ausreichende Tragfähigkeit erreicht wird (siehe Technische Anforderungen berücksichtigen). Eine höhere Verdichtung als tatsächlich notwendig sollte aus Gründen des Bodenschutzes vermieden werden.

      Die zulässige Verformbarkeit des Untergrundes ist mit einem Vorformungsmodul von 45 MPa für nichtbindige, gemischt- oder grobkörnige Böden festgelegt. Für bindige und feinkörnige Böden liegt das Vorformungsmodul (Kenngrösse für das Verformungsverhalten/die Verformbarkeit von Böden) bei mindestens 30 MPa.

      Ist die Tragfähigkeit des Baugrunds nicht ausreichend, sind geeignete Massnahmen wie z.B. Baugrundverdichtung (statisch oder dynamisch) oder Baugrundverbesserung zu ergreifen. Zur Überprüfung der Tragfähigkeit kann ein Befahrversuch durchgeführt werden. [2]

      Das Planum soll entsprechend dem vorgesehenen Oberflächengefälle hergestellt werden und muss den Anforderungen an die Ebenheit (siehe Technische Anforderungen berücksichtigen) entsprechen. [2]

      Die Wasserdurchlässigkeit muss berücksichtigt werden. [2]

      Tragschicht einbauen

      Über dem Planum wird die Tragschicht eingebaut und unter Einhaltung der technischen Anforderungen verdichtet. Die Dicke dieser Schicht(en) richtet sich nach dem Kapitel Bauweise ermitteln.

      Nach Ankunft des Baustoffgemischs auf der Baustelle sollte dieses umgehend verarbeitet werden, um den optimalen Wassergehalt während des Einbaus zu nutzen. Ein Zwischenlagern des Materials vor Ort sollte vermieden werden.

      Durch den Einbau der Tragschicht darf das Planum nicht beeinträchtigt werden (Ebenheit, Höhenlage, Wasserdurchlässigkeit, Tragfähigkeit). [2]

      Die zulässige Verformbarkeit der Tragschicht ist mit einem Vorformungsmodul (Kenngrösse für das Verformungsverhalten/die Verformbarkeit von Böden) von mind. 80 MPa festgelegt. [2]

      Das Planum soll entsprechend dem vorgesehenen Oberflächengefälle hergestellt werden und muss den Anforderungen an die Ebenheit entsprechen (siehe Technische Anforderungen berücksichtigen). Das Gefälle muss dabei jedoch mind. 1 % betragen. [2]

      Die Wasserdurchlässigkeit muss berücksichtigt werden. [2]

      Dynamische Schicht einbauen

      Bei der 3‑Schicht-Bauweise wird über der Tragschicht zusätzlich die dynamische Schicht eingebaut, welche einen korngestuften Übergang zwischen Trag- und Deckschicht bildet.

      Nach Ankunft des Baustoffgemischs auf der Baustelle sollte dieses umgehend verarbeitet werden, um den optimalen Wassergehalt während des Einbaus zu nutzen. Ein Zwischenlagern des Materials vor Ort sollte vermieden werden. Die dynamische Schicht wird in feuchtem Zustand eingebaut und mit einer Walze statisch verdichtet. [2]

      Die zulässige Verformbarkeit der dynamischen Schicht ist mit einem Vorformungsmodul (Kenngrösse für das Verformungsverhalten/die Verformbarkeit von Böden) von mind. 80 MPa festgelegt. [2]

      Das Planum soll entsprechend dem vorgesehenen Oberflächengefälle hergestellt werden und muss den Anforderungen an die Ebenheit entsprechen. Das Gefälle muss dabei jedoch mind. 1 % betragen. [2]

      Die Wasserdurchlässigkeit muss berücksichtigt werden. [2]

      Deckschicht aufbringen

      Nach Ankunft des Baustoffgemischs auf der Baustelle sollte dieses umgehend verarbeitet werden, um den optimalen Wassergehalt während des Einbaus zu nutzen. Ein Zwischenlagern des Materials vor Ort sollte vermieden werden.

      Der Einbau erfolgt in erdfeuchtem Zustand und i. d. R. manuell. Bei grossen Flächen kann die Verteilung auch maschinell, z.B. durch einen Strassenfertiger, erfolgen. Die Deckschicht ist statisch so weit zu verdichten, dass diese trittfest ist. Dies erfolgt durch eine Walze, wobei Kernzertrümmerung vermieden werden sollte, um die Wasserdurchlässigkeit nicht negativ zu beeinflussen. [2]

      Bei der 1‑Schicht-Bauweise wird die Tragschichtoberfläche lediglich lose aufgebracht und beispielsweise mit einem Rechen deckend und gleichmässig verteilt. [2]

      Das Gefälle der Deckschicht muss die Anforderung für die Entwässerung erfüllen. [2]

      Kleinstrukturen erstellen

      Die Kleinstrukturen sind an den in der Planung vorgesehenen Standorten (z.B. Randbereiche und andere wenig genutzte Flächen) und in den festgelegten Qualitäten zu erstellen. Macht die Planung keine spezifischen Angaben zu Standorten und Qualitäten, können diese auch ad hoc vor Ort erstellt werden, unter Berücksichtigung der Planungs- und Realisierungshinweise zu einzelnen Kleinstrukturen.

      Das im Rahmen von Schnitt- und Pflegemassnahmen an anderen Profilen anfallende Material (z.B. Äste, Totholz, Blüten- und Samenstände) eignet sich hierfür bestens.

      Erstellungs- und Entwicklungspflege

      Chaussierungen der 1‑Schicht-Bauweise sind unmittelbar nach deren Herstellung abnahmefähig, sollten aber frühestens nach einer Woche durch Fahrzeuge belastet werden, um Fahrspuren zu verhindern. Chaussierungen der 2‑ und 3‑Schicht-Bauweise erfordern eine Erstellungs- und Entwicklungspflege, welche i. d. R. zwei bis sechs Wochen dauert und folgende Punkte umfasst [2]:

      • Wässern, sodass die Deckschicht ständig durchdringend nass wird und danach oberflächlich abtrocknet.
      • Walzen im erdfeuchten Zustand
      • Wiederherstellen der Ebenheit nach Bedarf

      Pflege

      • Bewuchs bei Bedarf entfernen und Belag ausbessern

      • Bewuchs bei Bedarf mähen

      • Kein Einsatz von Herbiziden (Verbot)

      • Wenig genutzte Bereiche extensiv pflegen und Bewuchs zulassen

      • Entwässerung sicherstellen

      Naturnahe Pflege

      Ein wichtiger Teil der Pflege von Chaussierungen ist das Entfernen von Wildpflanzen. Da das Vorkommen von niedrigwachsenden Gräsern und Stauden die Funktionalität von Chaussierungen nur in geringem Ausmass beeinträchtigt, geschieht dies oft aus gestalterischen Gründen.

      Bewuchs kann sich nur dort etablieren, wo die Nutzung der Fläche gering ist. In Abstimmung mit den Nutzungs- und Gestaltungsansprüchen sollte dies stellenweise toleriert werden, da es sich um wertvolle und attraktive Lebensräume handelt. Bei naturnaher Pflege kann diese Vegetation partiell zugelassen sowie weniger und extensiver gepflegt werden. Dies spart Zeit und Geld. Dabei ist zu beachten, dass sich keine Gehölzpflanzen auf der Chaussierung etablieren.

      Massnahmen naturnahe Pflege im Jahresverlauf

      Der Fokus zur Optimierung des ökologischen Potentials liegt bei Chaussierungen auf der differenzierten Pflege, insbesondere der Toleranz gegenüber Bewuchs. Dadurch wird die Artenvielfalt gefördert. Dies geht einher mit einer Reduktion der Pflegemassnahmen und somit des Ressourcenverbrauchs. Daran orientieren sich die Definition des SOLL‑Zustandes und die Auswahl der geeigneten Pflegemassnahmen. Für die Pflegenden vor Ort gilt es abzuwägen, wie stark die Artenvielfalt gefördert werden kann, ohne die Ansprüche an Nutzbarkeit und Gestaltung der Chaussierung unverhältnismässig zu beeinträchtigen. Ausserdem müssen bei der Wahl der Pflegemassnahmen der IST‑Zustand und mögliche Probleme berücksichtigt werden.

      Um ihre Funktionalität zu erhalten, dürfen Chaussierungen nur wenige Bereiche mit Verschlämmung, Unebenheiten oder anderen Schäden an der Deckschicht aufweisen. Diese Schäden sind vor allem in intensiv genutzten Bereichen anzutreffen und müssen schnellstmöglich behoben werden, um die Sicherheit der Nutzenden zu gewährleisten. Ein Bewuchs von niedrigwachsenden Gräsern und Stauden ist aus funktioneller Sicht kein Problem und kann durchaus toleriert werden. Damit Spontanbewuchs toleriert und nicht als vernachlässigte Pflege verurteilt wird, ist zu prüfen, ob der Wechsel im Pflegeregime kommuniziert und die ökologischen sowie ökonomischen Vorteile aufgezeigt werden sollten.

      Planungs- und Umsetzungshilfen

      Der Profilkatalog naturnahe Pflege vermittelt Fachwissen und Handlungsanleitungen zu sämtlichen Profilen. Das Praxishandbuch ist eine kompakte Kurzfassung des Kataloges. Im Jahrespflegeplaner sind die Pflegemassnahmen für alle Profile in einer Excel-Tabelle zusammengestellt.

      Massnahmen im Detail

      Bewuchs (bei Bedarf) entfernen

      Eine wichtige Massnahme der Erhaltungspflege einer Chaussierung ist die Entfernung von Bewuchs. In regelmässigen Abständen ist die Fläche zu kontrollieren.

      Gegebenenfalls sind Massnahmen gegen zu starken Bewuchs, insbesondere bei Problempflanzen, zu treffen. Ein frühzeitiges Entfernen des problematischen Bewuchses verhindert strukturelle Veränderungen durch tiefes Eindringen der Wurzeln. [1][2]

      Durch das Einwachsen von Wurzeln wird zwar die Struktur, nicht jedoch die Funktionalität oder Nutzbarkeit der Chaussierung verändert, da die Tragfähigkeit erhalten bleibt.

      Soll Bewuchs flächig entfernt werden, gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Die wichtigsten Vorgehensweisen sind das Entfernen der Vegetation mit mechanischen Massnahmen. Die Verwendung von thermischen Massnahmen wie Heisswasser, Wasserdampf, Schaum oder Abflammen sollte nur punktuell geschehen, da dies im Boden nistende Insekten und viele weitere Bodenorganismen schädigt. Zudem sind diese thermischen Massnahmen energieaufwendig und benötigen entsprechende Maschinen.

      Ein einfaches Gerät zur manuellen Entfernung von Bewuchs ist die Pendelhacke. Sie wird durch die Deckschicht gezogen, ohne die darunter liegende Schicht zu beschädigen. Die Pflanzen werden von ihren Wurzeln getrennt und können danach mit dem Rechen eingesammelt werden. [1][3][13][14]

      Der Einsatz von Herbiziden auf und entlang von öffentlichen und privaten Strassen, Wegen und Plätzen ist verboten [12].

      Bewuchs mähen

      Bewuchs findet sich nur in wenig genutzten Bereichen, wo er toleriert oder mittels Mahd kurzgehalten werden kann. Bei naturnaher Pflege ist Bewuchs in einem gewissen Ausmass erwünscht. Damit dieser dem Aufbau nicht schadet, ist die natürliche Sukzession durch regelmässige Mahd auf einem frühen Niveau zu halten und das Aufkommen von Gehölzen zu verhindern.

      Zur Mahd können hochgestellte Rasenmäher, Balkenmäher oder die Sense verwendet werden. Im Vergleich mit dem vollständigen Entfernen von Bewuchs benötigt das Mähen weniger Ressourcen und erhöht die Artenvielfalt der Chaussierung. [1]

      Lauben, Mähgutrückstände entfernen

      Mähgutrückstände, Laub und Abfall müssen auf Chaussierungen regelmässig entfernt werden, da sonst Humusbildung stattfindet.

      Um die auf und in der Chaussierung lebenden Tiere zu schonen und das übermässige Aufwirbeln von Staub und Dreck zu vermeiden, sollte ohne Laubbläser gearbeitet werden. Es ist darauf zu achten, dass das Deckschichtmaterial nicht abgetragen oder verlagert wird.

      Hat die Chaussierung Entwässerungseinrichtungen, sind diese regelmässig zu reinigen. [1]

      Das anfallende Laub kann an geeigneter Stelle, z.B. unter Bäumen oder Sträuchern, als Haufen aufgeschichtet werden und damit als Kleinstruktur eine wertvolle Nische bieten. Siehe auch Laubhaufen.

      Winterdienst

      Schneeschieben und die Verwendung von Auftausalzen sind auf Chaussierungen zu unterlassen. Ist aus Gründen der Nutzung oder Verkehrssicherheit eine Schneeräumung unerlässlich, so ist diese mit besonderer Sorgfalt auszuführen und die Unterkante der Pflugschar darf nicht bis auf die Oberfläche abgesenkt werden [15].

      Um einen ökologischen Winterdienst zu erreichen, sind grundsätzlich möglichst wenige Streumaterialien auszubringen. Zum Abstumpfen der Fläche können Reservematerial der Deckschicht oder gleichfarbige Sande und Splitte als Streugut verwendet werden. [2] Sand und Sägespäne belasten die Umwelt am wenigsten.

      Nutzungsintensität steuern

      Die 2‑ und 3‑Schicht-Bauweisen sind nur bedingt für das Befahren mit Autos geeignet, was vermieden werden sollte. Die Deckschicht muss dabei mit hohem Instandhaltungsaufwand erhalten werden.

      Die 1‑Schicht-Bauweise ist für gelegentliches Befahren mit Autos geeignet. Fahrgassen auf Parkplätzen sind auf Grund der hohen Brems- und Beschleunigungskräfte aber auch bei der 1‑Schicht-Bauweise nicht dauerhaft und müssen daher regelmässig nachgebessert werden.

      Kurven sollten gestalterisch möglichst gross gewählt werden, um die Belastung der Oberfläche zu verringern.

      Durch Frostaufgang und Nässe kann es bei 2‑ und 3‑schichtiger Bauweise zu einer Aufweichung der Deckschicht kommen. In diesem Zustand kann die Nutzung durch Fahrräder und Kinderwagen zu Veränderungen der Deckschicht und der darunterliegenden Schicht kommen. Aus diesem Grund sollten Chaussierungen bei Frostaufgang und Frost-Tau-Wechsel nicht befahren werden.

      Neu angelegte und grossflächig sanierte Beläge sollten bis zu drei Wochen gesperrt werden. [2]

      Befahren von Chaussierungen

      Für die Pflegearbeiten werden Chaussierungen oft auch mit grösseren Fahrzeugen befahren. Um dabei Schäden am Belag zu vermeiden, sollten die Fahrzeuge Niederdruckreifen mit möglichst glattem Profil haben und nicht über 5 t wiegen.

      Beim Fahren von Kurven sollten möglichst grosse Radien gewählt werden. Starkes und abruptes Bremsen sowie Beschleunigen sind zu unterlassen.

      Bei Frostaufgang und Frost-Tau-Wechsel dürfen Chaussierungen nicht befahren werden.

      Neu angelegte und grossflächig sanierte Beläge sollten bis zu drei Wochen gesperrt werden. [2]

      Deckschicht pflegen

      Weist die Chaussierung Unebenheiten auf, müssen diese ausgeglichen werden.

      Ist nur das Nachstreuen von fehlendem Deckschichtmaterial notwendig, muss vorher die vorhandene Deckschicht aufgeraut werden, um eine Verzahnung mit dem ausgestreuten Material zu ermöglichen.

      Instandsetzung

      Sind die Deckschicht oder die darunterliegende dynamische Schicht derart beschädigt oder verschlissen, dass sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen, müssen die Fehlstellen repariert werden.

      Verschlämmungen, Fehlstellen, Belagsdurchtritt und andere Beschädigungen werden durch die Entfernung des Deckschichtmaterials und eventuell von Teilen der dynamischen Schicht und deren Ersatz mit erdfeuchtem Reservematerial ausgebessert. Danach wird die Deckschicht ausgeebnet. [1]

      Im Anschluss an Ausbesserungsarbeiten sowie nach Frostaufgang oder einer nutzungsbedingten Auflockerung der Deckschicht muss die Chaussierung im erdfeuchten Zustand statisch verdichtet werden. [2]

      Sanierung

      Ist die Deckschicht grossflächig beschädigt, verschlissen oder verlagert und kann ihre vorgesehene Funktion nicht mehr erfüllt werden, können umfangreiche Sanierungsmassnahmen erforderlich sein, die über normale Instandsetzungsmassnahmen hinausgehen. [2]

      Hierfür liefern die Kapitel Planung und Realisierung entsprechende Hinweise.

      Entwicklung und Förderung

      Durch reduzierte Pflegemassnahmen oder ausbleibende Nutzung entwickeln sich auf Chaussierungen ruderalflächenähnliche Vegetationstypen. Zur Entwicklung einer Ruderalfläche können jegliche Pflegemassnahmen eingestellt werden.

      Es ist lediglich nötig, periodisch aufkommende Gehölze oder Problempflanzen zu entfernen. Nach 7–10 Jahren sollte die Ruderalfläche komplett in ihren Ausgangszustand zurückgeführt werden, um ihre typischen Eigenschaften zu erhalten. Wird ein Schotterrasen angestrebt, ist die Umsetzung im Profil Schotterrasen beschrieben. [1]

      Rückbau

      • Material wiederverwenden

      • Kleinstrukturen wiederverwenden

      • Pflanzen wiederverwenden

      Massnahmen im Detail

      Wiederverwendung von Material prüfen

      Sind die Mineralbaustoffe frei von Verunreinigungen, in gutem Zustand und umweltverträglich, können diese nach entsprechender Qualitätsprüfung und allfälliger Aufbereitung wiederverwendet werden.

      Wiederverwendung von Pflanzen prüfen

      Wertvolle Pflanzen können ausgegraben und in einer anderen naturnahen Fläche wieder eingepflanzt werden. Dabei dürfen keine Pflanzenteile von invasiven gebietsfremden Arten übertragen werden.

      Wiederverwendung von Kleinstrukturen prüfen

      Es ist zu prüfen, ob ganze Kleinstrukturen und/oder Teile bzw. Materialien davon auf einer anderen Chaussierung oder innerhalb eines anderen Profils wiederverwendet werden können.

      Bestimmungen

      Gesetzliche und planerische Grundlagen für die Planung, Realisierung, Pflege und Rückbau (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

        Quellen

        1

        Brack, F., Hagenbuch, R., Wildhaber, T., Henle, C., & Sadlo, F. (2019). Mehr als Grün! – Praxismodule Naturnahe Pflege: Profilkatalog (Grün Stadt Zürich, Hrsg.). ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Forschungsgruppe Freiraummanagement (unveröffentlicht).

        2

        Timmermann, U. & Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL). (2007). Fachbericht zu Planung, Bau und Instandhaltung von Wassergebundenen Wegen. Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. - FLL.

        3

        Tschäppeler, S., & Haslinger, A. (2021). Natur braucht Stadt—Berner Praxishandbuch Biodiversität. Haupt Verlag.

        4

        Seipel, H., Rabisch, A., Bietenbeck, M., & Kruse, K. (2021). Fachkunde für Garten- und Lanschaftsbau (8. Aufl.). Handewerk und Technik.

        5

        Hilgenstock, F., Witt, R., Aufderheide, U., Dernbach, D., Koningen, H., Kumpfmüller, M., Lobst, S., Polak, P., & Brenneisen, S. (2017). Das Naturgartenbau-Buch: Nachhaltig denken, planen, bauen: Bd. 1 Band (1. Auflage). Naturgarten Verlag.

        6

        Eigen- und Wirtschaftsbetrieb Frankenthal. (2016). Hinweise und Auszug aus der DIN 1986-100:2016-12 ( Abflussbeiwerte / Tabelle 9 ). https://www.frankenthal.de

        7

        Hoffmann, C., & Geissler, A. (2022). Baumaterialien für Städte im Klimawandel, Materialkatalog mit Empfehlungen. Bundesamt für Wohnungswesen BWO.

        8

        Schilling, G. (2015). Wassergebundene Decken richtig planen und bauen, Natürlich bewegt. Zeitschrift Aussenraum, 4. https://www.stabilizer-wege.de

        9

        Heidelberg, A. (2017). Welche Flächen werden berechnet ? azv-heidelberg.de. http://azv-heidelberg.kivbf.de

        10

        Richard, P. (2018). Der gestaltete Naturgarten. Wildromantische Gärten planen und bauen. Haupt Verlag.

        11

        Kumpfmüller, M., & Hloch, J. (2008). Wege zur Natur im Siedlungsraum—Grundlagenstudie. https://www.land-oberoesterreich.gv.at

        12

        BUWAL. (2005). Verwendungsverbote für Unkrautvertilgungsmittel auf und an Strassen, Wegen und Plätzen, Faktenblatt Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft. https://www.newsd.admin.ch

        13

        Rask, A. M., & Kristoffersen, P. (2007). A review of non-chemical weed control on hard surfaces. Weed Research, 47(5), 370–380. https://doi.org

        14

        Verschwele, A. (2012). Unkräuter auf Wegen und Plätzen und ihre Bekämpfung. 25. Deutsche Arbeitsbesprechung über Fragen der Unkrautbiologie und -bekämpfung. https://ojs.openagrar.de

        15

        Schweizerischer Verband für Strassen- und Verkehrsfachleute. (2019). Verkehrsflächen mit ungebundenem Oberbau (SN 640741).